Kolumne

Hier marxt der Backes Herrmann: Wenn Marx rot ist, geht es keinen Schritt weiter

FOTO: TV / Frank P. Meyer

Trier. Neulich stieg ich an der Bushaltestelle Simeonstiftplatz aus und wollte gerade die Straße Richtung Fußgängerzone überqueren, da hörte ich wie neben mir eine Frau sagt: „Wenn der Onkel grün wird, dürfen wir gehen.“

Ich erstarrte mitten in der Bewegung. Meine linke Fußspitze zeigte schon über die Bordsteinkante, aber natürlich traute ich mich keinen Zentimeter weiter. Und zwar aus zweierlei Gründen:

1. Wegen des Tonfalls, mit dem die Frau „dürfen wir gehen“ sagte. Sie hielt ein höchstens fünfjähriges Kind an der Hand ... und die Fußgängerampel war rot. Ich wäre doch beinahe bei Rot über die Ampel gegangen! Es war zwar weit und breit kein Auto zu sehen, aber wir sind in Trier, und da gilt die Regel ‚bei Rot stehen, bei Grün gehen’, auch wenn der nächste Wagen, der hier vorbeikommen wird, gerade erst in Ehrang losfährt. Ich schämte mich. Ich bin ein schlechtes Beispiel für die Kinder. Daher der vorwurfsvolle Ton der Mutter, mit dem sie – so laut, dass man es bis zur gegenüberliegenden Straßenseite hören konnte – „dürfen wir gehen“ sagte. Das galt nicht dem Kind sondern mir: Sie werden es doch nicht wagen, in Anwesenheit eines Kindes bei Rot über die Straße zu laufen!

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