Traben-Trarbach/Wittlich

Zu Besuch bei Radsportlerin Hannah Ludwig: Immer wieder montags wird geschraubt

Wenn die deutsche Juniorenmeisterin Hannah Ludwig vom RSC Stahlross Wittlich in der Werkstatt ihres Vereinskameraden Torsten Camphausen vorbeischaut, wird fleißig geschraubt. Hier gesellt sich auch der Clubvorsitzende Herbert Henschel dazu.FOTO: Holger Teusch

Traben-Trarbach/Wittlich. Ein Besuch bei Radsportlerin Hannah Ludwig vom RSC Stahlross Wittlich vor Beginn der Nachwuchs-Europameisterschaften.

Wenn Hannah Ludwig im heimischen Traben-Trarbach ist, hat die deutsche Juniorenmeisterin im Straßenrennen und Bergfahren ein festes Ritual für den Wochenstart: „Jeden Montag ist die erste Sache zu Torsten fahren“, erzählt die 18-Jährige. Mechaniker Torsten Camphausen überprüft Ludwigs Rennrad und hat ab und zu noch eine Idee für eine Optimierung. „Wir versuchen, beim Material das Letzte rauszukitzeln, ob das andere Reifen sind oder ein anderer Laufradsatz“, erklärt der 41-Jährige. Denn in den Bereichen, in denen Hannah Ludwig mittlerweile fährt, kommt es auf jedes Prozent an. „Ohne Torsten geht es nicht“, sagt die U19-Nationalmannschaftsfahrerin.

Vor Ludwigs Abreise zu den U23- und U19-Europameisterschaften in Brno, der zweitgrößten Stadt Tschechiens, hat Camphausen Ludwigs Straßen- und Zeitfahrrad besonders gut durchgecheckt. Nachdem die Radsportlerin vom RSC Stahlross Wittlich 2017 erstmals an den kontinentalen und später den Welt-Titelkämpfen teilgenommen hatte, fährt Ludwig mit großem Selbstbewusstsein nach Tschechien. Außerdem fuhr Ludwig in diesem Jahr einige Frühjahrsklassiker teilweise schon bei den Frauen, mit. „Das hat mir sehr geholfen. Man bekommt seine Schwächen vor Augen geführt – auf brutalste Weise“, erzählt sie. Was Ludwig nicht so mag, sind Massensprints. Sie sei eher jemand für die Flucht nach vorn. Diese Taktik zeigte sie beim Gewinn des deutschen U19-Titels. Generell bevorzugt Ludwig bergiges Terrain. Das wird sie auch bei der EM bekommen. Die zwölf Kilometer lange Zeitfahrstrecke (Donnerstag, 12. Juli, 9 Uhr) führt im Mittelteil bergan. Auf jeder der sieben, gut zehn Kilometer langen Runden des Straßenrennens (Samstag, 11 Uhr über 75,6 Kilometer) sind etwa 200 Höhenmeter zu überwinden.

Sogar die Strecke der Weltmeisterschaft im September in Innsbruck, für die sich Ludwig bereits qualifiziert hat, ist sie bereits abgefahren. „Der erste Berg ist fünf Kilometer lang mit durchschnittlich 17 Prozent Steigung. Die steilste Stelle ist 23 Prozent. Dann geht es wellig weiter und noch mal zehn Kilometer hoch“, erzählt sie mit leuchtenden Augen.

Dass solche Belastungen im Training gut vorbereitet werden müssen, versteht sich von selbst. 15 bis 20 Stunden pro Woche, im Trainingslager auch mehr, meist zweimal am Tag, sitzt Ludwig im Rennradsattel. Dazu kommt zwei- bis dreimal wöchentlich Krafttraining. Motivationsprobleme kennt die Traben-Trarbacherin kaum. „Ich trainiere gern. Es gibt wenige Tage, an denen ich unmotiviert bin. Meistens, wenn man dann losfährt, ist nach einer halben Stunde wieder alles gut“, erzählt sie.

Bei ihrem Trainingsplan sprechen sich Juniorinnen-Bundestrainerin Katharina Fischer und Ludwigs Vater Björn ab. Vereinstraining sei schwierig, sagt der Stahlross-Vorsitzende Herbert Henschel: „Fahrer von Hannahs Niveau müssen individuell nach Plan trainieren oder in einer Gruppe mit Leuten, die diesem Niveau entsprechen. Das ist im Verein meist nicht zu bewerkstelligen.“ Aber den Kontakt zum Verein hält Ludwig trotzdem. Und sei es, dass sie am Montag nach der EM mit ihrem Rad wieder bei Stahlross-Mitglied Torsten Camphausen vor der Tür steht. Denn immer montags wird ein bisschen geschraubt.

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