Basketball: Warum zwei Gladiatoren vor dem Spiel in Essen am Samstag ziemlich entspannt sind

Sebastian Herrera hat sein Abitur in der Tasche. TV-Foto: Archiv/Willy SpeicherFOTO: (g_sport

Trier. Vor dem Spiel bei den Baskets Essen am Samstagabend (19.30 Uhr/www.sportdeutschland.tv) sind zwei Akteure der Römerstrom Gladiators Trier extrem entspannt. Das hat mit einer Wahl und jeder Menge Geschichte zu tun.

Die Erleichterung am Freitag ist riesig. Und das gleich in doppeltem Sinne. "Das fühlt sich so gut an", sagt zum Beispiel Sebastian Herrera, "jetzt gibt's für mich nur noch Basketball und Chillen". "Ich bin sehr stolz und erleichtert", sagt derweil Marco van den Berg. Die gelöste Stimmung der beiden Gladiatoren hat nichts mit dem Auswärtsspiel beim Tabellenvorletzten Baskets Essen heute Abend zu tun (19.30 Uhr/www.sportdeutschland.tv). Denn Basketball ist für Sebastian Herrera und Marco van den Berg in der zurückliegenden Woche ausnahmsweise mal in den Hintergrund getreten.
Dafür rückten Themen wie die Weimarer Republik und die Deutsch-Deutsche-Teilung nach 1961 in den Fokus - denn für Herrera stand am Freitag die mündliche Abiturprüfung am Trierer Max-Planck-Gymnasium in Geschichte auf dem Programm. "Ich war selten so aufgeregt, echt unglaublich", erzählt der Flügelspieler am Freitagmittag im TV-Gespräch. "Erst musste ich über die Entstehung der Weimarer Republik sprechen, danach ging es darum, wie es zur Spaltung Deutschlands kam." Für Herrera kein Problem, denn Geschichte, so betont er, sei eines seiner Lieblingsfächer. "Das Schlimmste war die Zeit nach der Prüfung, da musste ich in so einem Raum zehn Minuten auf meine Note warten - das war schrecklich." Am Ende dann die gute Nachricht: Er hat bestanden, sammelt die notwendige Punktzahl und verbessert sich sogar noch in seiner Abi-Durchschnittsnote. "Ich bin jetzt einfach nur so froh, dass ich das Abitur in der Tasche habe, denn das ist was ganz Wichtiges in meinem Leben." Am kommenden Freitag steht für Herrera noch der Abi-Ball an, danach war's das mit der Schulzeit für den jungen Gladiator.
Gladiators-Coach Marco van den Berg freut sich über das bestandene Abitur seiner Schützlinge Sebastian Herrera und Nils Maisel, der sein Abi ebenfalls in diesen Tagen bestanden hat. Unter der Woche bewegte den Niederländer derweil etwas anderes: die Wahlen in seinem Heimatland. "Ich hätte mich so geschämt für mein Land, wenn Geert Wilders gewonnen hätte", betont der 51-Jährige. "Jetzt bin ich einfach nur erleichtert und richtig stolz auf die Niederlande, dass sie diese Idiotie ausgebremst haben." Wilders wolle das Land in eine Märchenwelt zurückführen, die es nie gegeben habe. "Ich hoffe, dass der Wahlausgang Auswirkungen auf die kommenden Wahlen in Europa haben wird - denn Intoleranz, wie Wilders & Co. sie propagieren, wird Europa nicht weiterbringen!"
Doppelt erleichtert geht's für die Römerstrom Gladiators Trier am Samstagmittag mit dem Bus in den Ruhrpott zum Tabellenvorletzten. Mit einem Sieg in Essen hätten die Trierer die Playoff-Teilnahme schon in der Tasche (weil sich der Tabellenachte und -neunte heute im direkten Duell gegenüberstehen). "Essen ist ein Team mit großer individueller Qualität, mit sehr athletischen Guards", weiß Triers Coach, "mit solchen Teams hatten wir bereits häufiger Probleme". Was das Team von Trainer Igor Krizanovic leisten kann, hat es gerade in der vergangenen Woche gezeigt, als die Baskets mit 77:55 beim Playoff-Kandidaten Hanau gewannen. Auch in Kirchheim und in Köln siegten die Jungs aus dem Ruhrpott.

Wir werden sie nicht unterschätzen", verspricht Sebastian Herrera, "besonders nach der Niederlage gegen Kirchheim letzte Woche wollen wir es viel besser machen und uns den Playoff-Einzug sichern". Und wer weiß, vielleicht setzt so ein bestandenes Abitur noch mal besondere Kräfte frei. "Das kann schon sein", sagt der Mann mit der Trikotnummer 24 und fängt an zu lachen.

EXTRA KEIN SONDERBERICHT
(mfr) Nach der Heimniederlage am vergangenen Wochenende gegen Kirchheim kam es in der Arena Trier zu einigen unschönen Szenen. Pfiffe und Sprechchöre begleiteten die drei Schiedsrichter beim Verlassen des Spielfelds. Auch ein Becher soll in Richtung des Gespanns geflogen sein. Die ProA teilt auf TV-Nachfrage mit, dass die Referees danach keinen Sonderbericht verfasst hätten.
Eine Strafe gebe es nicht, da der Ordnungsdienst die Schiedsrichter sicher aus der Halle geleitet und der Club seine Pflicht somit erfüllt habe. Allerdings sollen die Szenen "gemeinsam mit dem Club aufgearbeitet werden". Zudem sei zu klären, wie ein Pressevertreter nach Spielschluss auf das Feld gelangen konnte, um auf die Referees einzureden.

FOTO: RÖMERSTROM Gladiators Trier
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