Sorgen die Grünen noch für eine Überraschung bei der Bitburger Bürgermeisterwahl?

FOTO: Archiv

Bitburg. Sechs Fraktionen gibt es im Stadtrat, aber bisher nur zwei Kandidaten für das Bürgermeisteramt. Eine Partei ist noch auf der Suche.

Noch zehn Wochen bis zur Wahl, genau genommen 71 Tage. Dann entscheiden die Bitburger, wer künftig an der Spitze der Stadt steht: Amtsinhaber Joachim Kandels oder sein Herausforderer Ralf Olk oder jemand, mit dem niemand rechnet? Noch bis Montag, 7. August, 18 Uhr, läuft die Bewerbungsfrist - und vielleicht wird es dann noch eine Überraschung geben.

Das jedenfalls würden sich die Grünen wünschen, die gerne einen eigenen Kandidaten präsentieren würden, genau genommen, eine eigene Kandidatin. Und wo stehen die Freie Bürgerliste (FBL) und die FDP, die keinen eigenen Kandidaten mehr nominieren werden? Für die CDU jedenfalls kann es nur einen geben: Joachim Kandels. Das sehen Liste Streit und SPD anders. Sie setzen auf Wechsel und unterstützen den parteilosen Herausforderer Ralf Olk.
Der ist für die Grünen wiederum keine Option, ebenso wenig wie für sie eine Unterstützung des Amtsinhabers in Frage kommt.

Wer wo steht und warum, war Thema unserer Gespräche mit den Fraktions-Chefs des Stadtrats:

Michael Ludwig, CDU (8 Sitze): "Wir stehen im CDU-Stadtverband einstimmig hinter Joachim Kandels. Das ist ein angenehmer, freundlicher und charakterstarker Mensch, der eine integrierende Art hat, Menschen zusammenführt. Das Gesamtwerk Stadt läuft rund. Wir haben mit ihm an der Spitze viel in Bitburg vorangebracht. Er ist in der Lage, durchzuziehen und seine Leute im Rathaus zu motivieren. Er ist kein Parteisoldat, sondern bewahrt sich die Objektivität und Übersicht, die ein Bürgermeister braucht. Er ist bemüht, wirklich alle Fraktionen mitzunehmen. Auch wurde Bürgerbeteiligung noch nie so groß geschrieben wie bei ihm. Und nicht zuletzt: Joachim Kandels lässt sich nicht kirre machen, sondern handelt mit Bedacht."

Willi Notte, Liste Streit (5 Sitze): "Wir stehen hinter Ralf Olk. Der hat nicht nur mich bei seiner Vorstellung direkt überzeugt. Er ist konzeptionell stark, konstruktiv und zielorientiert. Er bringt die nötige Leidenschaft für das Amt mit. Den Mut zu haben, gegen den Amtsinhaber zu kandidieren, zeigt Engagement. Das ist ein ganz anderer Typ, er hat Führungsqualität. Er ist dem Amt menschlich wie intellektuell gewachsen, und das, was er als Unternehmer bisher gemacht hat, hat er mit Erfolg gemacht. Mit dem Amtsinhaber sind wir nicht so zufrieden. Es gab doch einiges, was nicht rund lief - etwa die Entscheidung, auf 40 öffentliche Stellplätze am Spittel zu verzichten oder die Kostenexplosion beim Dorfgemeinschaftshaus Stahl."

Manfred Böttel, Freie Bürgerliste (5 Sitze): "Wir haben anfangs einen Kandidaten gesucht und unsere Mitglieder befragt, aber wir haben keinen gefunden, der das übernehmen wollte. Dieses Amt ist nicht so einfach, wie man sich das vielleicht vorstellt. Jetzt wird sich unsere Fraktion im Wahlkampf neutral verhalten. Der Bürger wird selbst entscheiden, wen er wählt. Das ist von unserer Seite weder eine Wertung für noch gegen einen der beiden bisher bekannten Bewerber. Die FBL hat sich, wenn sie keinen eigenen Bewerber hatte, immer neutral verhalten. Eine Zusammenarbeit können wir uns grundsätzlich mit beiden derzeit bekannten Bewerbern vorstellen. Damit, dass es einen Herausforderer geben wird, haben wir gerechnet." .

Peter Berger, Grüne (fünf Sitze): "Wir sind einhellig der Meinung, dass wir weder den Herausforderer noch den Amtsinhaber unterstützen. Mit beiden sind wir inhaltlich einfach in vielen Punkten der Stadtpolitik nicht einer Meinung. Für uns ist es immer noch ein Herzensanliegen, einen eigenen Kandidaten zu finden. Genauer gesagt: eine eigene Kandidatin. Wir sind in Gesprächen mit zwei Frauen. Wir sind überzeugt, dass die Zeit reif ist, für eine Frau an der Spitze der Verwaltung. Wir wünschen uns einen völlig anderen Führungsstil, eine völlig andere Struktur. Frauen betrachten die Dinge aus einem anderen Blickwinkel. Sollte es uns nicht gelingen, noch eine eigene Bewerberin aufzustellen, werden wir uns neutral verhalten."

Irene Weber, SPD (4 Sitze): "Die SPD unterstützt die Bewerbung von Ralf Olk. Er hat die Mitglieder bei seiner Präsentation in unserer Versammlung überzeugt. Auch deshalb, weil er Perspektiven aufgezeigt hat, wie sich Bitburg entwickeln könnte. Das ist eine Dynamik, die uns gefällt. Er hat eine unternehmerische Sicht und die Ratsarbeit als unabhängiger Bewerber losgelöst von Parteipolitik gestalten. Was mir persönlich an Ralf Olk gefällt, ist, dass er das, was er bisher beruflich angepackt hat, mit Erfolg umgesetzt hat. Ich traue ihm absolut zu, die Verwaltung zu führen und auch, dass er kritische Themen und Projekte zur Chefsache macht. Die Stadt wird er ähnlich gut repräsentieren, wie das jetzt ja auch Joachim Kandels macht."

Patric Nora, FDP (1 Sitz): "Wir sind ja die kleinste Fraktion, haben nur einen Sitz. Einen eigenen Kandidaten zu suchen, war in unserer Partei kein Thema. Die FDP ist grundsätzlich zufrieden mit der Arbeit von Bürgermeister Joachim Kandels. Wir werden davon unabhängig auch dem Herausforderer Ralf Olk bei unserem nächsten Stammtisch im August die Möglichkeit bieten, sich uns vorzustellen. Anders als Herrn Kandels, kennen wir Herrn Olk ja noch nicht. Für den Wahlkampf wird das bei unserer Partei aber keinen Einfluss haben. Für die FDP steht fest, dass wir uns neutral verhalten werden. Das ist eine Entscheidung, die jeder Bürger für sich selbst treffen wird. Insgesamt finden wir es aber auf jeden Fall von Vorteil, dass es einen Herausforderer gibt. Wettbewerb schadet ja bekanntlich nie."

Meinung: Fortführung oder Neuanfang?
Bei der Bürgermeisterwahl in Bitburg mag Parteipolitik auch eine Rolle spielen. Schließlich lässt sich durch eine solche Wahl die Politik einer Fraktion stärken oder schwächen. Natürlich macht es einen Unterschied, ob eine Gruppierung den Bürgermeister stellt oder nicht. CDU, Liste Streit und SPD haben sich positioniert. Für die Wähler wäre es wünschenswert, wenn es auch den Grünen gelingt, noch ihre Kandidatin zu finden. Mehr Auswahl bei der Wahl zu haben, fördert den demokratischen Prozess. Aber jenseits aller Parteipolitik ist diese Wahl in erster Linie eine Personenwahl, bei der die Persönlichkeit der Bewerber im Mittelpunkt steht. Wen findet der Wähler kompetenter, sympathischer, wem traut er das Amt eher zu? Jenseits aller Wahlprogramme und inhaltlichen Schwerpunkte geht es im Kern um die Frage, ob die Bürger mehrheitlich auf Fortführung oder Neuanfang setzen. d.schommer@volksfreund.de

top