Neue Ideen zur Parkplatzsituation in Bitburg

Bitburg. Entweder braucht man Kleingeld, Geduld oder darf nicht schlecht zu Fuß sein. In Bitburg gibt es viele Parkplätze, trotzdem hakt es an einer Stelle. Der Gewerbeverein arbeitet an einer Idee.

Wittlich hat sie, Prüm auch, Bitburg nicht. Naja, fast nicht. Immerhin in der Denkmalstraße steht ein Parkscheinautomat mit Brötchentaste. Da gibt es ein kostenloses Ticket für eine halbe Stunde. Ansonsten muss man in Bitburg auf den allermeisten Parkplätzen rund um die Fußgängerzone zahlen. 20 Cent für zehn Minuten. Nicht viel, aber wer das Kleingeld nicht gerade passend hat, hat ein Problem.

Ausnahme: die Parkplätze an der Liebfrauenkirche, da läuft der Betrieb mit Parkscheibe - auf einigen für zwei, auf anderen für maximal eine Stunde. Ergebnis: Hier stehen meist Dauerparker, die Stunde für Stunde ihre Parkscheibe weiterdrehen.
Immerhin: Seit einem guten Jahr sind 100 Parkplätze rund um die Fußgängerzone, die zuvor kostenlos waren, inzwischen gebührenpflichtig. Der Effekt: Die Dauerparker sind weg. Wer in die Stadt will, hat nun auch eine Chance, am Grünen See bei Stadthalle und Rathaus, im Bereich Am Markt rund um den Konrad-Adenauer-Platz sowie in den Seitengassen der Fußgängerzone, einen Platz zu finden.

Insofern sind die 100 zusätzlich gebührenpflichtigen Parkplätze ein Erfolg. Doch an einer Stelle hakt es aus Sicht etlicher Händler und Kunden. Warum gibt es rings um die Fußgängerzone keine Automaten mit Brötchentaste?
In die Flora Apotheke kommen beispielsweise viele Kunden, die nur ein Rezept einlösen möchten. "Da wäre eine Brötchentaste schon wichtig", sagt Senior-Chef Hans Neumann. Gerade für Frauen mit Kinderwagen oder auch gehbehinderte Menschen sei ein Marsch vom Parkplatz in eins der Innenstadtgeschäfte binnen zehn Minuten nicht zu schaffen: "Eine Brötchentaste wäre doch ein toller Service."

Das sehen auch etliche Passanten so. Andere wiederum befürchten, dass eine solche Taste ausgenutzt werden könnte - und ein kostenloses Ticket nach dem nächsten gezogen wird.

Fakt ist: Müssten rund 100 Kurzzeitparker, mit denen die Stadt im Schnitt pro Tag kalkuliert, keine 60 Cent mehr für die halbe Stunde zahlen, würde sich der Betrag im Jahr auf knapp 20000 Euro summieren. Deshalb hat sich der Stadtrat damals auch gegen eine Brötchentaste entschieden. Schließlich wird in Bitburg seit Jahren angesichts von Schulden von gut 20 Millionen Euro jeder Cent zwei Mal umgedreht.

Von den finanziellen Zwängen der Stadt weiß auch der Gewerbeverein - und von dem Wunsch nach einer Brötchentaste auch. "Das wurde natürlich an uns herangetragen", sagt Gewerbevereins-Chef Edgar Bujara. Er hat Verständnis für das Anliegen vieler Geschäftsleute, respektiert aber auch die Entscheidung des Stadtrats, der sich eben gegen eine solche Taste entschieden hat. Was tun? Not macht erfinderisch.

"Wir arbeiten da an einer Idee", sagt Bujara und umreißt das Projekt, das als Testphase schon im Juni starten könnte, mit dem Schlagwort "faires Parken". Die Idee: Ein Unternehmer stellt auf seinem Gelände direkt an der Fußgängerzone zwei Parkplätze kostenlos zur Verfügung.
Die sollen entsprechend beworben werden - und ausschließlich Besuchern zur Verfügung stehen, die nur schnell irgendwo reinspringen wollen. Fair deshalb, weil die Nutzer es mit fairem Verhalten selbst in der Hand haben, ob das Konzept funktioniert - oder sich dort dann aber wieder Dauerparker breitmachen. "Wenn das Ganze fair gehandhabt wird, und die Leute die Plätze wirklich nur für kurze Erledigungen von maximal einer halben Stunde nutzen, können wir uns vorstellen, das Konzept auf weitere private Flächen auszubauen", sagt Bujara. Eine ausführlichere Präsentation folgt Anfang Mai: "Wir sind gerade in der Feinabstimmung."

Braucht Bitburg eine Brötchentaste oder ist das überflüssig? Sind die Einnahmen für die Stadt wichtiger oder der Kundenservice? Was ist Ihre Meinung zum Thema? Mailen Sie uns in wenigen Sätzen an eifel@volksfreund.de (Name und Wohnort bitte nicht vergessen).MeinungEin fast rundes Konzept

Es war auf jeden Fall der richtige Schritt, die kostbarsten Parkplätze direkt an der Fußgängerzone gebührenpflichtig zu machen. Die Dauerparker haben das Feld geräumt, Kunden und Besucher der Innenstadt kommen endlich zum Zug. Wirklich rund läuft die Sache mit dem Parken in Bitburg aber trotzdem nicht. Es erschließt sich nicht, warum die Stadt nicht gleich auch die rund 30 Parkplätze in dem Bereich rund um die Liebfrauenkirche und beim Haus der Jugend gebührenpflichtig gemacht hat. Dort wird immer noch die Parkscheibe von Dauerparkern weitergedreht. Am einfachsten wäre doch, auf die kompletten Stellplätze rings um die Fußgängerzone Gebühren zu erheben und eine Brötchentaste für Kurzparker einzuführen. Es ist lobenswert, wenn sich nun der Gewerbeverein der Sache annimmt. Aber ein schlüssiges Parkkonzept ist und bleibt Aufgabe der Stadt. Hier lohnt es, nachzubessern. d.schommer@volksfreund.de

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