Heißes Herz, kühler Kopf

FOTO: Uwe Anspach (g_sport

Kaiserslautern. Fußball: Zum "Endspiel gegen die dritte Liga" erwartet Kaiserslautern gegen Nürnberg 40 000 Zuschauer.

Kaiserslautern Eine Erstliga-Kulisse in einer Partie, in der es um die dritte Liga geht. Das klingt grotesk, surreal, unwirklich. Doch wenn sich der 1. FC Kaiserslautern am Sonntag (15.30 Uhr, Fritz-Walter-Stadion) am letzten Zweitliga-Spieltag anschickt, gegen den 1. FC Nürnberg den Gang in die Drittklassigkeit zu vermeiden, werden wohl an die 40 000 Fans auf den Rängen die Roten Teufel mit heißem Herzen aus einer verkorksten Saison verabschieden.
"Wir müssen die Situation mit aller Leidenschaft so annehmen, wie sie ist", schwor Trainer Norbert Meier seine Mannschaft auf den Kraftakt gegen die Franken ein.
Die Ausgangslage ist klar: Direkt absteigen können die Pfälzer mit 38 Punkten nicht mehr. Im Falle einer Niederlage und bei gleichzeitigen Erfolgen der Konkurrenten Arminia Bielefeld und 1860 München (jeweils 36 Punkte) ginge es in zwei Entscheidungsspielen gegen den Drittliga-Dritten (Jahn Regensburg oder 1. FC Magdeburg) ums Überleben - sportlich wie wirtschaftlich.
Viel mehr als den reichlich abgewetzten Hinweis auf die lange Tradition des FCK hatte die im Sommer unter enormem Zeit- und Kostendruck neu formierte Mannschaft in den zurückliegenden Monaten nicht zu bieten. Zum Finale furioso aber soll all das für 90 Minuten kein Thema sein. Die Mannschaft und sogar der Weltmeister von 1954, Horst Eckel, wandten sich in dieser Woche per Video-Botschaft an die Fans. Sie beschworen Teamgeist, Zusammenhalt und Einsatzwillen.
Auf einen, der diesen unbedingten Willen auf dem Platz vorlebt, muss Meier gegen Nürnberg verzichten. Flügelspieler Marcel Gaus kassierte beim 0:1 in Aue seine zehnte Gelbe Karte. Wer den Linksfuß, hinter dessen Verbleib ein großes Fragezeichen steht, ersetzen soll, ließ der Coach offen. Entscheidend sei ohnehin "nicht die Auf-, sondern die Einstellung".
Wieder dabei sein wird dagegen der brasilianische Abwehrchef Ewerton (im dpa-Foto rechts mit Robin Koch). Er hatte die Partie in Aue wegen Übelkeit vorzeitig abbrechen müssen. Meier: "Ewerton ist so wichtig für uns. Er hält den Laden hinten zusammen und dirigiert alle. Und das, obwohl er fast kein Wort Deutsch spricht."

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