Wittlicher Jugendschöffengericht

Bewaffneter Raubüberfall – aber das Opfer ist unbekannt

FOTO: dpa / Volker Hartmann

Wittlich/Lahnstein. Ein ungewöhnlicher Fall am Wittlicher Jugendschöffengericht: Der Angeklagte selbst hat das Verfahren gegen sich in Gang gebracht, und niemand kennt das Tatopfer.

„So einen Fall haben wir noch nie erlebt“, staunten Richter Josef Thul, Staatsanwalt Mathias Juchem und Verteidiger Gerhard Prengel. Da sitzt ein 20-jähriger Häftling aus der Jugendstrafanstalt (JSA) Wittlich im Saal des Amtsgerichts und wartet auf seine Verhandlung.

Die Anklage lautet auf schweren Raub mit Schusswaffe, viermal Sachbeschädigung an Buswartehäuschen und ein Einbruchsdiebstahl in einer Gaststätte. Die Tatorte lagen alle in Niederlahnstein bei Koblenz. Weil der 20-Jährige zurzeit in der Strafanstalt Wittlich „wohnhaft“ gemeldet ist, muss sich das Wittlicher Jugendschöffengericht damit befassen.

Der Angeklagte sitzt in Wittlich zwei Urteile der Amtsgerichte St. Goar und Saarbrücken wegen Drogenhandels ab. Doch nun kommt der Clou: Eigentlich müsste das Gericht nicht über ihn beraten, und auch der junge Mann müsste nicht auf der Anklagebank sitzen, wenn er es nicht ausdrücklich so gewollt hätte. Er selbst hat sich an die Ermittler gewandt und alles auf den Tisch gelegt.

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