Sie haben’s jetzt schwarz auf weiß

Linie, Schatten, Perspektive: In der Casa Tony M. lernen die jungen Workshop-Teilnehmer zeichnen wie Tony Munzlinger mit Senne Simon (stehend). Bald ist Vernissage. TV-Foto: Klaus KimmlingFOTO: klaus kimmling (m_wil )

Wittlich. Ergebnisse des Workshops "Zeichnen wie Tony Munzlinger mit Senne Simon" werden ausgestellt. Die Förderung des künstlerischen Nachwuchses wird möglich durch Wittlichs Stiftungswesen, das Geld in die Kunst investiert.

Wittlich Nach der Schule noch mal still sitzen, sich über Papier gebeugt konzentrieren? Das macht Spaß! Es geht auch nicht um Hausaufgaben oder Nachhilfe, sondern um Zeichnen. Und Jugendliche aus Wittlich, Dreis, Hetzerath, Bergweiler, Binsfeld, Dorf, Maring-Noviand und Piesport finden das gut.
"Ich finde, das ist doch keine Arbeit", sagt Paul. "Ja, ist ja Hobby", sagt Mia und, "Ich habe gelernt, wie wenige Striche viel mehr bedeuten können." "Ich mache gerade mehr mit Schatten", sagt Kilian. Die drei sitzen in einer von zwei Gruppen vor ihren aktuellen Zeichnungen. Wenn man als Beobachter daneben steht, scheint die Atmosphäre respektvoll konzentriert und kreativ heiter zugleich. Einer der Edding-Stifte quietscht. Da wird mit Druck gearbeitet!
Mit jeder Linie ändert sich das Bild. Und was dann zu sehen ist, ist sehr individuell. Comicartige Fantasiewesen blicken aus dem glänzenden Weiß hervor, Formen bilden meditative Muster, Totenköpfe nach Munzlinger Art starren, eine Handstudie, eine Kappe: Das Plakat zur kommenden Ausstellung zeigt schon einen guten Querschnitt, was zu sehen sein wird.
Mit dem Totenkopf beschäftigt sich Sarah erneut: "Ich finde daran das Licht, den Schatten, die Perspektive interessant." Ein anderer denkt über die kontrastreiche Schwarz-Weiß-Wirkung nach und meint: "Bei Farbe hatte ich eh immer Angst, dass sie mein Bild kaputt macht." Künstlerin Senne Simon, die den Workshop leitet, bringt den jungen Teilnehmern das Bewusstsein für ihr Tun Schritt für Schritt bei. "Die bringen alle Know-how mit, sind alle talentiert und haben am Anfang mit dem Bleistift gearbeitet. Dann waren sie erst mal empört, als ich die Bleistifte wegnahm, denn mit Edding zeichnen, das ist anders. Da musst du dich ganz klar entscheiden zwischen Schwarz und Weiß, eine Linie finden, die steht. Da kann man nicht so stricheln, wie mit dem Bleistift", sagt Senne Simon.
Man kann die Fortschritte auf den Bildern sehen. Jeder hat eine eigene Mappe, in der er alles sammelt.
Jede Linie ein Strich - ohne abzusetzen, eine Kontur mit besonderer Schwingung setzen: Diesem Ziel nähern sich alle, bis es sitzt.
Sebastian beschreibt das so: "Sonst habe ich immer vorgezeichnet. Gelernt habe ich mit dem Edding tatsächlich, dass man ein bisschen entschlossener an die Sache rangeht, dass man eine Idee, die man hat, dann auch durchzieht und nicht zu vorsichtig ist." Das ist ja auch Titel des Workshops: "Durchgezogen".
Bevor man mit dem Stift etwas in diesem Sinne durchziehen kann, muss man auch sehen lernen, indem man mit konkreten Gegenständen arbeitet. Viele Jugendliche orientieren sich dagegen eher von der nächsten Stufe, nämlich schon fertigen zweidimensionalen Bildern von Gegenständen, die ihnen ihr Handy bietet und eben nicht an der Realität. Die Wirklichkeit hat dabei natürlich weitaus mehr zu bieten. Damit soll sich Ansgar beschäftigen. Ihm hat Senne Simon einen frischen Donut mitgebracht. Sieht lecker aus und liegt vor Ansgars Blatt. "Wenn er den nicht zeichnet, darf er den nicht essen", so die Workshopleiterin. Ansgar ist noch nicht vom Motiv überzeugt. Er konzentriert sich weiter auf seine Fantasie-Zeichenwesen-Welt. Doch dann zeichnet er plötzlich doch den Donut! Und der auf dem Papier wird bleiben, der andere verschwinden.
Im Nebenraum wird gekichert, dann ist es still, bis wieder ein Edding quietscht. Alles wirkt ganz entspannt. "Ich finde das angenehm hier. Man wird nicht gestört, aber man kann sich auch mal unterhalten", sagt Sebastian. Eine Burg kurz vor der Belagerung bringt er aufs Papier. Derweil hat der irgendwie freundlich lächelnde Totenkopf ein Spinnennetz angezeichnet bekommen. Alle arbeiten erstaunlich schnell. Alles Material für die Mappen. "It's me Lea" steht auf einer. Eine andere ziert ein Einhorn. Jeder ist individuell geblieben. Ein Mädchen sagt: "Ich habe gelernt, dass wirklich jeder seinen eigenen Stil hat." Und nun kann jeder auswählen, was er bei der kommenden Ausstellung zeigen will. Denn jeder hat eine Stele, die er bestücken kann, eine eigene Plattform. Und dann hoffen alle auf neugierige Menschen, die sich alles mal anschauen werden. Deshalb sagt Senne Simon auch zu ihren Schülern auf Zeit vor der anstehenden Vernissage. "Macht viel Werbung, es ist ja Ferienzeit, damit wir viel Besuch haben."
Extra: AUSSTELLUNG ZUM WORKSHOP


Die Arbeiten sind unter dem Titel "Durchgezogen" vom 12. August bis zum 30. September in der Casa Tony M. - Museum Tony Munzlinger zu sehen. Die Vernissage ist am Samstag, 12. August, 19 Uhr. Als Vorstandsvorsitzender der Stiftung Stadt Wittlich wird Bürgermeister Joachim Rodenkirch zur Begrüßung sprechen. Es gibt eine Einführung durch die Künstlerin Senne Simon. Für die musikalische Umrahmung sorgt Till Christen, Klavier und Gesang. Der Workshop wurde finanziell unterstützt durch die Silvio-und-Waltraud-dell' Antonio-Kunsmann-Stiftung.

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