Wenn die Liebe ewig hält

Schweich. Emma und Hans Wengler sind seit 65 Jahren verheiratet und immer noch glücklich

Schweich Viele wollen es, doch nur die wenigsten kriegen es hin: 65 Jahre verheiratet und immer noch glücklich zu sein. Emma und Hans Wengler aus Trier-Ehrang, die beide seit ein paar Jahren im Schweicher Altenheim St. Josef leben, haben es hinbekommen und blicken zufrieden auf ein gemeinsames Leben zurück.
Mit der ganzen Familie und alten Freunden und Nachbarn hat das Ehepaar jüngst im Altenheim eiserne Hochzeit gefeiert. "Das war so ein schönes Fest", schwärmt Hans Wengler, und seine Augen strahlen dankbar. Und das, obwohl der 86-Jährige es nicht so einfach hat, denn seine Emma, 84 Jahre, ist vor 14 Jahren an Demenz erkrankt und hat sich aus dem Hier und Jetzt in eine andere Welt verabschiedet.
Das sei nicht immer leicht, vor allem die ersten Jahre seien schwer gewesen, doch heute habe er seinen Frieden mit der Krankheit seiner Frau gemacht und sei froh, mit ihr in Schweich in einem so schönen und gemütlichen Zimmer zu leben und bei der Pflege mitanpacken zu können.
"Ich bin ein lustiger Mensch, lache gern und brauche immer Menschen um mich", erzählt der Senior und streichelt liebevoll die Hand seiner Frau. Vier Kinder haben die beiden bekommen, die heute 65, 61, 58 und 47 Jahre alt sind und den beiden fünf Enkelkinder beschert haben. "Familie ist etwas Wunderbares. Es ist ein Geschenk, eine gute Familie zu haben."
Vor 65 Jahren, als sie im März 1952 geheiratet haben, hätten sie nichts gehabt, wie alle in dieser trostlos armen Nachkriegszeit. Bei den Eltern in Trier-West hätten sie wohnen müssen, weil das Geld für eine eigene Wohnung nicht ausgereicht hat. "160 Mark habe ich als Maurer im Monat verdient und alles dran gesetzt, bald mit Emma und unserer kleinen Tochter in eine eigene Wohnung zu ziehen, auch, wenn es nur ein Stall gewesen wäre." Nach Feierabend und am Wochenende wurde gearbeitet, Geld verdient, und Mitte der 50er Jahre dann konnten sie sich endlich eine eigene Wohnung leisten.
"Die wurde von jedem bewundert, weil Emma eine ganz wunderbare Hausfrau war und alles so liebevoll ausgestattet hat. Ihr Schmuckstück war der große Herd, den hat sie immer blitzeblank gewienert." Den einzigen Luxus, den sich die beiden geleistet haben, war das Tanzen in einem der drei schönen Eurener Tanzlokale. "Walzer, das war unser Lieblings-Tanz, und Swing", schwärmt Hans Wengler und blickt seiner Frau zärtlich in die strahlend blauen Augen. "Ist sie nicht immer noch eine schöne Frau, meine Emma?" sagt er und streicht sanft über ihre Wange.
Ja, und dann sei er als Maurer bei "Horsch & Sohn" abkommandiert worden und habe in Trier beim Haus Neuerburg in Heiligkreuz Arbeit bekommen. Aus drei Jahren wurden 30. "Ich bin gerne arbeiten gegangen, auch weil ich einen wunderbaren Arbeitgeber hatte, der sich sehr sozial um seine Leute gekümmert hat." So habe es auch nicht lange gedauert, und die Firma habe ihm und der Familie eine Wohnung in der Töpferstraße in Trier-Süd besorgt. Für 30 Mark. "Ohne Bad. Das habe ich selbst gemauert."
Und was nun ist das Rezept für eine so lange und glückliche Ehe, wollen wir am Schluss unseres Gesprächs wissen. "Mit sich selbst zufrieden sein", sagt Hans Wengler. "Nur wer mit sich selbst zufrieden ist, kann auch mit anderen zufrieden sein. So einfach ist das, gell Emma?"
Seine Frau sieht ihn lange an und lächelt leise. Auch sie ist zufrieden - mit sich in ihrer eigenen Welt.

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