Obst und Gemüse aus der Region für die Region

Bauer Greif in seinem Hofladen, dessen Konzept er sich in Kalifornien abgeschaut hat. TV-Foto: Dirk TenbrockFOTO:

Trier. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft zwingt auch die Obst- und Gemüsebauern der Region zum Umdenken. Einer, der den Spagat zwischen Kundenwünschen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten hinbekommt, ist Bauer Greif aus Trier-Zewen. Dort vorgesehene Baugebiete könnten den Betrieb in den nächsten Jahren besonders herausfordern.

Trier. Was die Familie Greif über Generationen an Landwirtschaft an der Mosel aufgebaut hat, kann man nicht einfach mit Geld aufwiegen: Die Leidenschaft, mit der Hans-Josef Greif (64) und seine Frau Monika (55) von ihrem Hof sprechen, geht jedenfalls weit über den kaufmännischen Aspekt hinaus. Das Land, das seit Generationen Lebensgrundlage der Familie ist, soll auch in den nächsten Jahrzehnten Früchte tragen. Der nächste Generationswechsel auf Sohn und Schwiegersohn ist schon vorbereitet.
Seit 1833, also über 180 Jahre, existiert der Bauernhof schon - früher weit vor den Toren der Stadt gelegen, ist er heute nur durch das große Gewerbegebiet an der Mosel von ihr getrennt.
Eine Lage, die vielfach Begehrlichkeiten weckt: Zunächst sucht die Stadt seit Jahren nach Möglichkeiten, ihre Gewerbeflächen auf das Land des Bauern zu erweitern. Und vor einigen Monaten wurden die Greifs und ihre Nachbarn durch die Nachricht aufgeschreckt, dass es Vorhaben gibt, dort große Teile der heutigen Obst- und Gemüsefelder in ein 28 Hektar großes Wohngebiet umzuformen (der TV berichtete mehrfach).
Doch Hans-Josef Greif ist zuversichtlich: Die Zukunft seines Betriebes wird das nicht gefährden. "Wer, außer uns Bauern, soll denn die Nahrung für all\' die Menschen produzieren?", fragt Hans-Josef Greif, der breite Unterstützung erfährt: In einer Zeit, in der der Trend ohnehin wieder zum lokal produzierten Lebensmittel geht, haben viele Menschen sich mit den Landwirten bereits solidarisch erklärt. Ein Umstand, der nicht von ungefähr kommt: Die Nähe zum Kunden ist dem Bauern wichtig, das schafft Identifikation. Die Familie ist schon seit 1915 auf dem Trierer Wochenmarkt vertreten. Hinzu kommen mehrere mobile Verkaufsstände an vielbefahrenen Straßen und in Supermärkten. Außerdem floriert der Hofverkauf. Die Idee hierzu kam Greif bei einem Besuch in Kalifornien im Jahr 2000, wo er die beeindruckende Logistik der wirklich großen Betriebe studierte, die das Obst und Gemüse in Großgebinden einfach mit dem Gabelstapler in riesige Kühlhäuser und von dort in eine weitläufige Verkaufshalle transportierten. Ständige Investitionen - immer aus eigenem Geld und ohne Subventionen - waren und sind vonnöten, seit der Betrieb um 1975 den Ackerbau und die Viehzucht aus Rentabilitätsgründen aufgab. Mittlerweile bewirtschaftet die Familie mit einigen Festangestellten und Dutzenden von Aushilfen knapp 30 Hektar Land mit verschiedensten Obst- und Gemüsesorten, vom Spargel bis zur Kirsche. Allein 20 verschiedene Apfel- und 15 Kartoffelsorten sind im Angebot.
Projekt Zukunft


Seit den 1980er Jahren setzt man auf die Selbstvermarktung: "Der richtige Weg. Ab einer gewissen Größe gibt es kein Zurück mehr", sagt Bauer Greif und verweist in dem Zusammenhang auf die aktuelle Pleite eines großen und alteingesessenen Gemüsehändlers in Trier.
Kundenbindung schafft der Betrieb auch mit publikumswirksamen Aktionen. Der Apfelprobiertag im Herbst lockt viele Hundert Besucher, gerne fährt der Bauer auch mit Schulklassen, Kindergärten oder Seniorengruppen über sein Land und zeigt ihnen die traditionelle Bewirtschaftung. Die Selbstvermarktung, Qualität, Frische, den ökologischen Aspekt, die persönliche Kundenbindung des Kunden und kontinuierliche Investitionen - all das sieht Hans-Josef Greif als Garanten für eine erfolgreiche Zukunft. Und in die sieht er zuversichtlich, auch für den Fall, dass die städtischen Ideen, an der Mosel neue Wohn- und Gewerbeflächen anzulegen, umgesetzt werden sollten: Rund zwei Drittel der von der Familie genutzten Flächen seien Überschwemmungsgebiete, die nach geltenden EU-Normen gar nicht bebaut werden dürften, sagt Greif. Außerdem habe er schon längst angefangen, mögliche Alternativflächen in der Nähe zu pachten, um für Eventualitäten gerüstet zu sein. Denn, so Greif: "Das wäre ja eine schlechte Maus, die nur ein Loch hat!"
Extra

Freiland-Gemüseanbau: Im Jahr 1950 gab es 274 Betriebe auf 224 Hektar, im Jahr 2012 noch 12 Betriebe mit 44 Hektar Anbaufläche. Anbau von Obstbäumen: Im Jahr 1950 gab es 492 Betriebe mit 67.000 Bäumen. 2012 noch 58 Betriebe mit 105.000 Bäumen. (Quelle: Statistisches Landesamt, Bad Ems, Herbert Kunz). DTExtra

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