Geschichte

Schindlers Freundin spricht über Nazi-Diktatur

Schriftstellerin Erika Rosenberg hat das Leben von Emilie und Oskar Schindler aufgearbeitet und spricht mit Trierer Gymnasiasten über die Nazi-Herrschaft. FOTO: Schule / Privat

Trier. Die Professorin Erika Rosenberg war eine Freundin von Emilie Schindler, Oskar Schindlers Frau. In Trier spricht sie mit Schülern über die Diktatur der Nazis.

(red) Ein besonderer Gast hat das Auguste-Viktoria-Gymnasium (AVG) in Trier besucht: Professorin Erika Rosenberg, langjährige Freundin, Weggefährtin und Biographin von Emilie Schindler, der Frau Oskar Schindlers. Sie war auf Einladung der Fachschaft Geschichte gekommen und gab als Zeitzeugin Einblick in das bewegte Leben des Ehepaars Schindler.

Es ist ruhig in der Aula des historischen Klosterbaus der Schule: Nach einer Begrüßung durch den Schulleiter Timo Breitbach hören circa 70 Zehntklässler, der Leistungskurs Geschichte und viele Lehrer gespannt den Ausführungen der Professorin zu, die zunächst über die Emigration ihrer jüdischen Eltern über Paraguay nach Argentinien erzählt, bevor sie näher auf ihr Verhältnis zu Emilie Schindler eingeht.

Diese lernte sie in Buenos Aires kennen, wo eine tiefe Freundschaft entstand, die bis zum Tod der Gattin Oskar Schindlers im Jahr 2001 anhielt. Ihr Beruf als Historikerin ermutigte Rosenberg dazu, mehrere Biographien über Emilie zu verfassen, aus denen sie den Zuhörern auch immer wieder vorliest. Rosenberg schildert eindrucksvoll und lebendig das Schicksal der Familie, die am Ende des Zweiten Weltkrieges über 1300 Juden das Leben rettete, indem sie sie als Arbeiter in ihrer Fabrik in Tschechien und Polen beschäftigte und somit vor dem sicheren Tod im Konzentrationslager bewahrte. Die hierzu angefertigte Liste diente Rosenberg später als Grundlage, insgesamt 23 der Überlebenden zu interviewen und somit ein noch detaillierteres Bild der damaligen Ereignisse zu zeichnen.

Die Zeitzeugin lässt es sich im Verlaufe ihres Vortrags nicht nehmen, immer wieder ihre Zuhörer einzubeziehen, sie stellt Fragen, ist an der Meinung der Schüler im Publikum interessiert, hakt nach. Deutlich wird auch ihre Position zum berühmten Film des Regisseurs Steven Spielberg: So sehr sie diesen auch schätze, so müssten doch einige Passagen korrigiert werden, die im Zuge der Hollywoodproduktion hinzugekommen seien und nicht den Tatsachen entsprächen. Auch käme Emilie Schindler in der Darstellung wesentlich zu kurz, obwohl sie ihren Mann von Anfang an unterstützt und immer mit ihm gemeinsam gehandelt und an einem Strang gezogen habe.

Im Verlaufe des gemeinsamen Vormittags wird allen Zuhörern deutlich, welch bewegte Biographie einer mutigen und selbstlosen Frau hier eindrucksvoll geschildert wird, ein wichtiges und anschauliches Beispiel einer unbesungenen Heldin, die nicht vergessen werden darf.

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