Es wird bunt im Trierer Osten - Brücke als Schlüsselerlebnis

FOTO: Friedemann Vetter (ClickMe)

Trier. Aus der grauen Gartenfeldbrücke im Trierer Osten soll eine bunte Kunstinstallation werden, die das Stadtviertel zur Attraktion macht. Für Samstag, 17. Juni, laden Organisatorin Marion Poma und Künstlerin Annamalt zur Eröffnung ein - Überraschungen inklusive.

Trier Grau, unscheinbar und kein bisschen attraktiv. Ja, die Brücke, die das Gartenfeld mit der Trierer Innenstadt verbindet, ist alles andere als ein Hingucker. Das müsste doch zu ändern sein, überlegte sich die umtriebige Rentnerin Marion Poma jedes Mal, wenn sie das Betonbauwerk überquerte. Gedacht, getan. Poma suchte Verbündete und Mitstreiter, sammelte dafür erst einmal Unterschriften im Gartenfeldviertel und übergab 2014 schließlich dem damaligen Oberbürgermeister Klaus Jensen eine Petition. Doch schnell merkte sie: So einfach war ihr Projekt nicht zu realisieren. Durch ihre Arbeit mit Flüchtlingen und ihrem Verein menschMitmensch entwickelte sie ihre ursprüngliche Idee weiter. Sie lernte die Föhrener Künstlerin Annamalt kennen, knüpfte Kontakte mit Kulturschaffenden und sozialen Einrichtungen.
Ihr Ziel rückte näher, aus der grauen Gartenfeldbrücke eine bunte Kunstbrücke zu machen. "Dann habe ich dem Ortsbeirat mein neues Konzept vorgestellt. Mein Verein hat mit dem Tiefbauamt einen Vertrag geschlossen. Wir dürfen nur die Brückensäulen benutzen. Alle Kunstinstallationen müssen wieder rückgängig zu machen sein", erklärt sie.
Keine leichte Aufgabe. Auch deswegen hat Annamalt die künstlerische Leitung zugesagt, und, weil es in diesem Projekt "um ein weltoffenes Europa ohne Rassismus und Fremdenfeindlichkeit geht".
"Willkommen - Hand in Hand mit Europa" heißt also die Mitmach-Performance, mit der die beiden Frauen in Trier auf offene Ohren stießen. Die Kinder- und Jugendhilfe Palais, die Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle Sekis und die Pfarrei Liebfrauen machen mit.
Schon seit vielen Wochen arbeiten Flüchtlinge sowie zahlreiche einheimische Jungen und Mädchen an der Kunstbrücke, indem sie Schlüsselkästen bauen und Bänder schneiden. "Die Kästen haben wir an Schulen und öffentlichen Gebäuden verteilt", erklärt Annamalt. "Dort hinein können Menschen ihre alten Schlüssel samt einem Willkommenschildchen werfen. Sie sollen ein Symbol für das Aufschließen, nicht für das Abschließen sein. Für offene Türen und eine offene Gesellschaft." Eingesammelt werden die Boxen nach und nach, so etwa 14 Tage nach dem Eröffnungsfest am 17. Juni. Wiederum in einer öffentlichen Aktion hängen die jungen Menschen die Schlüssel dann an der Brücke auf. Um diese dort befestigen zu können, knüpfen Annamalt und ihre Helfer Streifen von bunter Ballonseide an beide Seiten der Brücke.
"An die 1000 Bänder knoten wir dort fest. Deshalb starten wir damit bereits am Donnerstag, 15. Juni, ab 15 Uhr", sagt Annamalt, die 2014 gemeinsam mit dem im Oktober 2016 gestorbenen Künstler Edward Naujoks den rheinland-pfälzischen Friedenspreis erhielt. Wenn die Besucher zum Fest an die Brücke kommen, sollen auch sie alte Schlüssel mitbringen, ihre persönlichen Botschaften dazuschreiben und diese an den Bändern befestigen. Auch nach der Eröffnung kann jeder seine Schlüssel mitbringen und sie mit Grußschildchen anknoten. Zusätzlich können alle Besucher der Gartenfeldbrücke ihre Hände bemalen und diese fotografieren lassen. Die Fotos erscheinen bei späteren Aufführungen der Performance auf Bannern und Schlüsselschildern und werden im sozialen Netzwerk Facebook veröffentlicht. Jedem steht frei, was er mit seinen Händen vermitteln will: So will Annamalt Berührungsängste abbauen. Dafür stehe auch die Tür Europa.
Das Türblatt dieses Symbols, das eigens für den Eröffnungstag aufgebaut wird, bestehe aus 700 Schlüsseln - eine Mahnung an Menschen, die sich entscheiden müssten, ob sie in einem aufgeschlossenen oder abgeriegelten Europa leben wollten.
Doch ohne Geld funktionieren auch wohlmeinende Projekte nicht. Finanzielle Unterstützung gibt es unter anderem vom Landesministerium für Integration und Familie, der Rehkitz-Stiftung und dem Ortsbeirat Trier-Mitte/Gartenfeld.
Marion Pomas Strategie ist langfristig ausgelegt. Sie will das "Tor zum Gartenfeld" mit seiner "Open-Air-Gallery" und wechselnden Installationen zu einer Attraktion für die ganze Stadt machen. Das große Fest am Samstag, 17. Juni, ab 11 Uhr ist nur der erste Akt.
Das zweite Kunstprojekt im August heißt "Richtungen". Die Künstlergruppe Zinkflug wird dann an der Brücke eine im Wortsinn "richtungsweisende" Kunstinstallation anbringen.Extra: DER NAME GARTENFELDBRÜCKE


Die Gartenfeldbrücke verbindet die beiden Ortsteile Mitte und Gartenfeld des Stadtteils Trier-Mitte/Gartenfeld miteinander. Der Name der Brücke leitet sich vom Stadtteil Gartenfeld ab, wo sich im 18. und 19. Jahrhundert ausschließlich Gärtnereien und Gemüsefelder befanden. Heute ist das Viertel vor allem Geschäfts- und Wohnviertel. Die Brücke wurde im Jahr 2011 saniert. Die Sanierung kostete mehr als 200 000 Euro. Bei der Brücke handelt es sich um ein Betonbauwerk mit zwei Betonbögen. Die Bögen sind über Stahlrohre mit der Fahrbahn verankert, wodurch diese gehalten wird. Quelle: WikipediaExtra: DAS PROGRAMM DES BRÜCKENFESTS


Steff Becker und Freunde; Saif al-Khayyat mit TonNot; Jazz-Trio "Black Velvet; Maher Abdul Moaty, Tanzperformance; Kunsthappening von Annamalt zum Mitmachen; Kulinarische Leckerbissen und Aktionen; gegen 13 Uhr wird Oberbürgermeister Wolfram Leibe sprechen.

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