Neues Wohngebiet

Trierer Sinti-Familie Reinhardt: „Wir wollen hier nicht weg“

Die Familie Reinhardt will ihr Heim  im Grünen nicht verlassen. Doch die Riverissiedlung am Trierer Grüneberg soll Gewerbebauten weichen. FOTO: Christiane Wolff

Trier. 170 Wohnungen, eine neue Brücke über die Bahngleise und Platz für Gewerbe: Für den Grüneberg zwischen Kürenz und Metternichstraße gibt es große Pläne. Zuerst müssen allerdings rund 40 Menschen, die noch dort wohnen, umziehen. Zumindest eine der Familien will das allerdings nicht.

Die Haustür aufmachen und direkt in der Natur sein. Verwandte, die zu Besuch kommen, und ihre Wohnwagen im Vorgarten abstellen. Mit Vater, Geschwistern, Kindern, Neffen und Nichten zusammen draußen sitzen: All das gehöre zur Kultur der freiheitsliebenden Sinti, sagt Jaqueline Reinhardt. „Und deshalb können wir uns nicht vorstellen, in einen großen Wohnblock inmitten eines Neubaugebiets umzuziehen.“

Die 35-Jährige ist in der Riverissiedlung aufgewachsen. Ihr über 80 Jahre alter Vater, ihre beiden Schwestern und deren Kinder wohnen dort. Die Stadt hatte die Sozialwohnungen gebaut, auch für die Sinti, die von den Nazis aus Trier vertrieben und verschleppt worden waren. „Mein Vater in ein Kinderheim, seine jüdische Mutter in ein Gefängnis. Die Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen meines Vaters sind im KZ Auschwitz ermordet worden“, sagt Jacqueline Reinhardt.

Nach dem Krieg kamen die Trierer Sinti zurück. Sie stellten ihre Wohnwagen wieder mitten in der Natur am Grüneberg zwischen Kürenz und Trier-Nord auf – dort, wo sie sich bereits vor rund 180 Jahren angesiedelt hatten. In den 1960ern errichtete die Stadt dann die Riverrissiedlung.

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