Verein Wildtierzentrum Wiltingen zwischen Hoffen und Bangen

Ein paar der Wildtiere, die derzeit im Tierheim gepflegt werden: Zehn Igel sind in Zewen zu Gast. Der etwa drei Monate alte Uhu sitzt hier brav in der Ecke, kann aber schon richtig ernsthaft drohen. Hausmeister Jonas Dammann, der bei der Pflege hilft, hält eine Wacholderdrossel in Händen. TV-Fotos (3) Marion MaierFOTO: (h_sab )

Wiltingen/Saarburg/Trier. Eine Übergangslösung für die Auffangstation für lädierte Tiere in Wiltingen und Saarburg ist für die Zeit von August bis Dezember gefunden. Nach einer endgültigen wird weiter gesucht.

Die Pressemitteilung der Trier-Saarburger Kreisverwaltung zur Übergangslösung für das Wildtierzentrum Wiltingen/Saarburg (TV vom 21. Juli) hat höchstens verhaltene Freude ausgelöst. Ute Marx, Schriftführerin des Vereins Wildtierzentrum, sagt: "Es hilft, dass der Kreis jetzt eine Notfallhilfe bereitgestellt hat. Aber das ist nur eine Notlösung. An einer endgültigen Lösung muss nun mit Hochdruck gearbeitet werden." Auch der Verein suche weiter nach neuen Geldquellen. Das Wildtierzentrum ist seit April geschlossen. Der Verein und insbesondere die ehrenamtlichen Betreiber Jürgen und Maria Meyer konnten die Pflege von jährlich bis zu 1300 geschwächten oder verletzten Tieren nicht mehr stemmen. Die Tiere werden seitdem ins Trierer Tierheim gebracht. Dessen Team hat Alarm geschlagen, weil es mit dieser Zusatzaufgabe überfordert ist. Eine Lösung war also dringend. Sie wird auch von mehr als 55 000 Unterstützern einer Petition gefordert.

Die Übergangslösung So soll sie laut Kreisverwaltung aussehen: Vom 1. August an bis zum Ende des Jahres werden eine Halbtagsstelle und ein Minijob finanziert. 60 Prozent der Kosten (10 000 Euro) übernimmt der Kreis. 30 Prozent sollen von der Oberen Naturschutzbehörde kommen. Das Trierer Tierheim, sprich der Tierschutzverein, beteiligt sich laut Verwaltung mit zehn Prozent an den Personalkosten. Die Halbtagsstelle soll laut Marx mit einer jungen Frau besetzt werden, die bis Ende Juli ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) im Greifvogelpark Saarburg absolviert. Bei dem Park sind Volieren und ein Wasservogelgehege des Wildtierzentrums untergebracht. Dort soll künftig auch die Hauptstation des Wildtierzentrums sein. Die FÖJlerin ist laut Marx eingearbeitet. Die Minijobstelle soll Jürgen Meyer übernehmen, der sie mit seiner 30-jährigen Erfahrung unterstützt. Bei den Meyers in Wiltingen werden bis Dezember zudem die Tiere untergebracht, die intensiv betreut werden müssen. Als langfristige Lösung strebt der Verein Wildtierzentrum an, die Finanzierung einer Ganztagsstelle zu sichern. Diese Stelle sollte dann Meyer übernehmen. Er würde dafür seinen Job als Lackierer aufgeben.

Die Ehrenamtler Jürgen Meyer ist angesichts der Übergangslösung zumindest etwas erleichtert. Er sagt: "Man sieht den Willen der Behörden. Das ist schon positiv." Landrat Günther Schartz und Bürgermeister Jürgen Dixius hätten sich sehr engagiert. Doch sagt er auch: "Die Sache mit der Vollzeitstelle muss perfekt sein, damit ich meinen Job fallenlasse." Schließlich arbeite er in einem guten Betrieb. Froh ist er, dass künftig das eigene Heim entlastet ist. Meyer: "Meist kommen die Leute, die Tiere bringen, zu zweit oder zu dritt. Um die 3000 Menschen gehen pro Jahr durch unser Esszimmer." Oft würden zudem aufgrund der Enge die Parkplätze der Nachbarn zugestellt, was auch zu Ärger führe.
Das Tierheim Auch wenn das Tierheim durch die kurzfristige Lösung entlastet wird, ist Inge Wanken, Vorsitzende des Tierschutzvereins Trier und Umgebung, skeptisch. Sie sagt: "Ich wäre froh gewesen, es hätte eine langfristige Lösung gegeben. Ich zweifele, ob die dauerhafte Lösung, die wir anstreben, wirklich umsetzbar ist. Denn da gehören Land und Kreisverwaltung auch mit ins Boot."
Der Landrat Dem Landrat ist laut Pressemitteilung klar, dass mit der jetzigen Förderung lediglich Zeit gewonnen ist, um eine dauerhafte Lösung zu finden. Bei deren Finanzierung sieht er weiterhin das Land in der Pflicht. Die Argumente: In der Einrichtung würden nicht nur Tiere aus dem Kreis Trier-Saarburg, sondern auch aus benachbarten Landkreisen gepflegt. Zudem würde auch das Saarland ein Wildtierzentrum finanzieren.

Das Land Mit seinem Ansinnen scheint Schartz beim Umweltministerium bislang nicht durchzukommen. Sprecherin Stefanie Lotz hat bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass das Land bereit ist, 30 Prozent zu Sach- und Personalkosten beizusteuern. Mehr nicht. Weiter stellt sie klar, dass für die Länder keine Verpflichtung bestehe, verwaiste und verletzte Tiere aufzunehmen. Für den Tierschutz seien die Kommunen zuständig. Meinung: Jetzt weiter!
Gut, dass die Kreisverwaltung in Sachen Wildtierzentrum nun aktiv geworden ist und eine vorläufige Lösung gefunden hat. Löblich auch, dass sie den Löwenanteil dazu beisteuert. Andererseits: Das hilft bis Ende des Jahres. Ist bis dahin keine dauerhafte Lösung gefunden, will der Verein Wildtierzentrum endgültig Schluss machen. Das wäre nicht nur ein Drama für die Tiere, die großteils durch menschliches Verschulden in dem Zentrum landen. Es wäre auch ein Schlag ins Gesicht für die vielen Menschen, die die Tiere in die Einrichtung bringen, für diejenigen, die das Zentrum unterstützen und auch für die mehr als 55 000 Petitionsunterzeichner. Deshalb muss eine Lösung her. Da gesetzliche Regelungen bei ihrer Suche offensichtlich nicht weiterhelfen, müssen auch unkonventionelle Wege beschritten werden. Andere Stiftungen? Kleiner Obulus von allen Kommunen, Jägern, Umweltverbänden? Alle Beteiligten sollten sich an der Suche beteiligen. m.maier@volksfreund.de

FOTO: (h_sab )
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