Mauerreste der Abtsburg am Prümer Hahnplatz ausgegraben

Rainer Schönecker (oben) und Landesmuseums-Mitarbeiter Michael Frank mit den mutmaßlichen Resten des alten Zeughauses. TV-Fotos (2): Fritz-Peter LindenFOTO: (e_pruem )

Prüm. Bei den Arbeiten am Prümer Hahnplatz sind Mauerreste ans Licht gekommen, vermutlich vom früheren Zeughaus. Aber auch Karolingisches könnte dort noch im Boden schlummern.

"Die haben was ausgegraben", sagt Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy. Genau, am Hahnpatz, wo die Arbeiter der Firma Schnorpfeil gerade dabei sind, Versporgungskanäle zu legen, unter anderem für das Wasserspiel, das dort demnächst eingebaut werden soll.

Ein wenig war es ja zu erwarten gewesen: dass sich unter der Hahnplatzoberfläche, sobald man dort zu buddeln beginnt, irgendetwas von früher finden würde. Und so kam es dann auch: In diesen Tagen hat es irgendwann "klunk" gemacht. An mehreren Stellen sind die Arbeiter dort auf altes Mauerwerk gestoßen.

Sogleich habe man das Rheinische Landesmuseum in Trier informiert, sagt Polier Rainer Schönecker.

Seitdem begleiten die Mitarbeiter des Museums die Arbeiten: "Wir müssen erst einmal alles aufnehmen, bevor man sagen kann, was das ist", sagt Grabungstechniker Marcus Thiel. Begründete Vermutungen bestehen allerdings: Wahrscheinlich handelt es sich bei den bisherigen Entdeckungen um die Fundamente der ehemaligen Abtsburg aus dem frühen 18. Jahrhundert, die später als Zeughaus genutzt und im Jahr 1849 von 100 Revolutionären gestürmt wurde (siehe Info).

Bisher sind an zwei Stellen vor der Basilika Mauern freigelegt worden. Sollte sich die Vermutung bewahrheiten, dass sie aus dem 18. Jahrhundert stammen, werde das den weiteren Umbau des Platzes nicht behindern, sagt Lars Blöck, der wissenschaftliche Grabungsleiter des Landesmuseums im Dienst der Generaldirektion Kulturelles Erbe.

Zur genauen Klärung werde man auch in die Archive schauen: "Es gibt alte Pläne", sagt Blöck. "Da müssen wir dann später unsere Grabungsergebnisse einblenden." Stimmen die Dokumente mit den Funden überein, handelt es sich eindeutig um das Zeughaus. Die Fundamente aus dem Jahr 1708 wären nicht "historisch" genug, um sichtbar erhalten zu bleiben. Er würde deswegen keinen Baustopp verhängen, sagt Blöck. "Anders wäre es, wenn wir ein fantastisch erhaltenes Mosaik fänden. Aber das ist eher unwahrscheinlich."

Dass im Prümer Boden noch Reste aus karolingischer Zeit schlummern, ist nicht auszuschließen. Nach denen suche man auch, sagt Lars Blöck: "Das ist das Hauptziel - früh- oder spätmittelalterliche Spuren zu finden."
Er weiß auch bereits, wo das wahrscheinlich ist: an der Front der alten Abtei, die heute das Regino-Gymnasium beherbergt. Dort überlege die Kreisverwaltung nämlich eine neue Drainage zu verlegen. Eine Probegrabung habe man bereits gemacht, mit einem kleinen Loch an der Außenmauer. "Da war ich mit dabei", sagt Lars Blöck. "Und da kamen in einem Meter Tiefe ältere Böden raus."

Es könnte also noch richtig interessant werden am Hahnplatz. "Spannend ist es auf jeden Fall", sagt Lars Blöck, der sich weitere Erkenntnisse erhofft: "Man weiß über die Baugeschichte dieser Anlage vor 1708 nämlich gar nichts."
Fest steht: "Die Bodenarbeiten müssen jetzt sorgsamer vorgenommen werden", sagt Mathilde Weinandy. Man könne ja nun nicht mehr mit dem Bagger drauflosschaufeln. Ihre Sorge: "Es könnte sein, dass alles etwas teurer wird."
Sie teilt derweil außerdem mit, dass die Straße über den Hahnplatz vor der Grenzlandschau noch nicht für den Verkehr freigegeben werden könne: Weil die Arbeiter die asphaltierten Flächen zum Rangieren brauchen. Außerdem, sagt die Bürgermeisterin, "geht die Sicherheit der Leute vor".Extra

Als sie das Prümer Zeughaus stürmten

Freiheit und Gleichheit in einem geeinten, demokratischen Deutschand: Das wollten die Aufständischen von 1848 durchsetzen. Auch mit Waffengewalt - und so kam es am 18. Mai 1849 zum Zeughaussturm in Prüm. Etwa 100 Männer sollen das von der preußischen Regierung stationierte Landwehr-Bataillon angegriffen und dessen Zeughaus mit Waffendepot am Hahnplatz geentert haben. Einer der Anführer: der 34-jährige, in der Abteistadt geborene Trierer Anwalt Viktor Schily, Vorfahr des späteren Bundes-Innenministers (und Anwalts) Otto Schily. Säbelschwingend, berichtete ein Zeuge, soll er das Gebäude gestürmt und damit gedroht haben, alles in die Luft zu sprengen. Die Zeughausstürmer erbeuteten rund 240 Schusswaffen und 1500 Patronen. Viele wurden später gefasst, zu Haft oder gar zum Tode verurteilt. Viktor Schily nicht: Er war ins Ausland geflüchtet.

FOTO: (e_pruem )
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