Eine Kleinstadt zum Genießen - Traben-Trarbacher Tourismuskonzept soll ausgefeilt werden

Traben-Trarbach. In Traben-Trarbach wird das Tourismuskonzept fortentwickelt. Statt Gutachten zu lesen, sollen konkrete Ziele benannt und erreicht werden.

Stillstand ist Rückschritt: Das gilt für ein von Zahlen geprägtes Feld wie den Tourismus besonders. Von daher müssen sich die von den Gästen lebenden Leute in Traben-Trarbach momentan keine Sorgen machen. Sie sind Teil eines Wachstumsmarktes. So stieg die Zahl der registrierten Gäste von 72 036 im Jahr 2015 auf 89 783. Das hatte natürlich auch positive Auswirkungen auf die Übernachtungszahlen. Die stiegen um etwa 26 000 auf 219 301. "Wir haben ein sehr gutes touristisches Jahr gehabt", sagt Wiebke Pfitzmann, die Leiterin der Touristinformation.

Noch eine Zahl: Die Stadt Traben-Trarbach investiert nach Auskunft von Sascha Kamphoff, Kämmerer der Verbandsgemeinde, aktuell etwa 700 000 Euro in den Tourismus. Ein großer Teil davon sind Personalausgaben für die Mitarbeiter der Touristinformation. Tenor: Das ist eine sinnvolle Wirtschaftsförderung für die Stadt des Jugendstils, die unter anderem durch Führungen durch die Unterwelt, große ehemalige Weinkeller, und den unterirdischen Weihnachtsmarkt herausragende Positionen einnimmt. Doch seitdem die Stadt am Entschuldungsfonds des Landes teilnimmt, muss jede freiwillige Ausgabe noch mehr hinterfragt werden. Man müsse das Rad ja nicht neu erfinden, sagen engagierte Hoteliers wie Stefanie Lahm und Matthias Ganter. Man wisse ja, welche Gäste an die Mosel kommen. Aber man müsse versuchen, jedes "Aber" zu verhindern. "Jedes Aber weniger macht die Stadt attraktiver", sagt Ganter.

Es nütze nichts, teure Gutachten erstellen zu lassen. Es müssten konkrete Maßnahmen ergriffen und Ziele verfolgt werden. Hintergrund der Diskussion ist das Tourismuskonzept der Stadt, das regelmäßig fortgeschrieben wird. Aktuell sei die Entwicklung bei den E-Bikes, erläutert Wiebke Pfitzmann, dem TV. Auch das Thema "Barrierefreiheit" spiele eine wichtige Rolle.

Im März wurde in einem halbtägigen Workshop der Ist-Zustand besprochen. Nun soll in drei kleineren Gruppen gezielt auf die Personengruppen eingegangen werden, die nach Angaben der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH die Haupturlauberklientel stellen: die aktiven Naturgenießer, die realistisch, kritisch, anspruchsvoll und weltoffen sind; die Kleinstadt-Genießer, die experimentierfreudig, neugierig und international sind und die reiferen Natur- und Kulturliebhaber, die sich bodenständig, (wert-)konservativ, kritisch und anspruchsvoll geben.

Stefanie Lahm wünscht sich Zahlen über die im Tourismus Beschäftigten. Damit könnten Argumente für dessen Bedeutung gesammelt werden. "Bisher hat er nicht den Stellenwert, den er verdient", sagt Lahm. Stadtbürgermeister Patrice Langer sieht drei wichtige Säulen: Tourismus, Weinbau und die großen Firmen.KommentarMeinung

Tourismus ist Triebfeder
Traben-Trarbach hat Probleme. Die vielen Leerstände stören und irritieren, die enge Bebauung nimmt viel vom möglichen Glanz. Traben-Trarbach hat auch Vorzüge, wie die Uferpromenade auf beiden Seiten, um die sie andere Städte beneiden. Der Tourismus hat einen herausragenden Stellenwert. Die engagierten Gastronomen wissen das und handeln. Das Ergebnis: In diesem Bereich genießt die Stadt einen sehr guten Ruf. Für die Rahmenbedingungen sorgen die Kommunalpolitiker. Es wäre fatal, wenn sie in diesem Bereich in ihrer Ausgabenpolitik beschnitten würden. Auch wenn es in anderen Branchen einige größere Betriebe gibt: Ohne florierenden Tourismus würde eine Situation entstehen, die viel schlimmer wäre, als man sich vorstellen kann. c.beckmann@volksfreund.de

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