Der fast vergessene Maler aus Graach

Diese vier Gemälde aus der Graacher Künstlerfamilie Thanisch werden im Cusanusstift aufbewahrt: von links Margarete und Johann Christoph Ehlen, Kartäuser-Prior Albergatus Ehlen sowie die Heilige Dreifaltigkeit. TV-Foto: Marita BlahakFOTO: (m_mo )

Bernkastel-Kues/Graach. Bernkastel-Kues/Graach (mbl) Für die Forschung über die Künstlerfamilie Thanisch aus Graach macht Karl Oehms eine halbe Weltreise. Von der Mosel über Oberitalien und Frankreich bis zur einstigen Île de France, heute Mauritius, führen ihn seine Nachforschungen.

In einem Vortrag stellte der Familienforscher Oehms nun einem großen Publikum im Konventsaal des St. Nikolaus-Stiftes die Stationen im Leben des Graacher Malers Johann Jodokus Thanisch (1705 bis 1775) und seiner Kinder vor.
Der Maler gehörte im Elsass zu den angesehensten Kirchen- und Porträtmalern in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts.
Auslöser für die Ausführungen des Vorsitzenden der Bezirksgruppe der westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde sind die vier Thanisch-Gemälde, die das Stift beherbergt.
Um Näheres über die Malerdynastie zu erfahren, begab sich Bibliothekar Marco Brösch auf Spurensuche. Es entwickelte sich ein reger Schriftverkehr zwischen ihm, Karl Oehms und dem Italiener Paolo Colombani Rossi (der TV berichtete). Das letzte Gemälde mit der Heiligen Dreifaltigkeit gesellte sich 2016 zu den drei Porträts mit Mitgliedern einer Graacher Familie Ehlen. Maria Christmann aus Graach hat die "Dreifaltigkeit" im Namen ihres verstorbenen Vaters Josef Nikolaus Thanisch dem Hospital gestiftet.
Die Nachforschungen brachten Licht in das Dunkel um den an der Mosel fast vergessenen Maler. In der Werkstatt in Straßburg waren auch Söhne und Töchter Thanischs als Künstler tätig. Da im 18. Jahrhundert Gemälde oftmals nicht signiert wurden, kann nicht bei jedem Bild mit absoluter Sicherheit gesagt werden, aus welcher künstlerischen Hand der Familie Thanisch es stammt.
Die vier Bilder im Cusanusstift zeigen den Kartäuser-Prior Albergatus Ehlen und die Porträts seines Vaters Johann Christoph Ehlen und seiner ersten Ehefrau Margarete.
"Es ist mir ein Vergnügen, ihnen diesen Sohn der Mosel vorzustellen", sagt Oehms. Zu seinen Recherchen auf Mauritius sagte er: "Den Namen Thanisch gibt es dort heute noch."
"Sehr interessant" findet der Graacher Winfried Ehlen die Ausführungen Oehms. Ehlen ist für das Heimatmuseum in Graach zuständig, wo der Maler auch seinen Platz hat.
Mit Interesse verfolgt auch Graachs Ortsbürgermeister Gerhard Zimmer den Vortrag. "Aus Graach sind schon einige bekannte Künstler hervorgegangen", sagt er. Zum Beispiel der Maler Jupp Zimmer und der Maler Johann Velten mit seinem bekannten Werk, das Bernkasteler Revolutionäre von 1848 im Trierer Gefängnis zeigt. Und die großen Gemälde mit den Lebens-Stationen des Nikolaus von Kues im Konventsaal des Stiftes stammen vom Graacher Maler Johann Leutzgen.

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