Unbequem, schräg, mutig: Trierer Künstlervereinigung éditions trèves wird 40 Jahre alt

Trier. Sie gehören zur Grundstruktur der Trierer Kulturszene. Jetzt wird die vielseitige, nie um gute wie schräge Ideen verlegene Künstlervereinigung 40 Jahre alt. Grund genug, nicht nur mit einer Ausstellung zu feiern.

Trier. "Ohne Moos nix los." Kurz und bündig beantwortet Rainer Breuer die unvermeidliche Frage an alle Jubilare, was er sich für die Zukunft wünscht. Stolze 40 Jahre werden die éditions trèves am am kommenden Donnerstag, 4. Dezember, alt. Ein Verein im besten Mannesalter, wären die ET (so die Abkürzung für Schnellredner) nicht eine Kunstvereinigung. Und da sind vier Jahrzehnte Zusammenhalt und Weiterentwicklung eine reife, respektable Lebensleistung.Mitstreiter aus ganz Deutschland


Als lose Grafiker-Vereinigung hatte 1974 alles begonnen. Trotz des Lokalkolorits im Namen, war die Vereinigung von Anfang an überregional angelegt. Ihre Mitglieder kamen aus Köln, Kassel, dem Großraum Nürnberg und natürlich aus Trier, wo die ET sozusagen ihr Basislager hatte. Dort saß schließlich der Initiator, ein einfallsreicher Oberprimaner (wie das seinerzeit hieß) namens Rainer Breuer, schon damals ein Hans Dampf in allen Gassen, der parallel zur Schule auch noch als Gaststudent an der Trierer Fachhochschule ein Grafikstudium betrieb und ausstellte.
Was quasi unverbindlich begann, wurde 1976 in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins festgezurrt, der auch den gleichnamigen Verlag der ET betreibt. Inzwischen ist Rainer Breuer Vorsitzender des Vereins, sein Trierer Büro der Thinktank der "édi tions". Neues anzustoßen und auch immer wieder quer zu denken gab es in den 40 Jahren genug. So gehört die ET zu den Gründungsvereinen der Tuchfabrik.
Als stiller Gesellschafter war von Anfang an das Prinzip Hoffnung dabei. Auch damals, als die ET bei der Stadt den Antrag auf Einrichtung einer Artothek stellte. Das ehrgeizige Vorhaben, eine "bürgernahe" Sammlung mit Grafiken und Gemälden anzulegen, die sich kunstinteressierte Bürger ausleihen konnten, fand keine Förderer. Was mit Arbeiten von Künstlern wie Wolf Vostell, Joseph Beuys oder Timm Ulrichs bestückt werden sollte, musste sich Jahre später in der Tufa mit weit weniger prominenten Formaten begnügen.
Zum unverwechselbaren Gesicht der ET gehört ihr als Autorenverlag gegründetes, längst auf internationalen Buchmessen vertretenes Verlagsgeschäft. Auch das ein mutiges Unterfangen in einem Bundesland, das Rainer Breuer als verlegerische "Diaspora" bezeichnet.
Mittlerweile hat der Verlag sein ganz eigenes Profil entwickelt. Die Serie seiner satirischen Kalender machten ihn weit über die Region hinaus bekannt, ebenso wie seine inzwischen 60 Bände umfassende Reihe der "trèves-krimis". Ein Dauerbrenner ist der Verschenkkalender "Literarisch-Grafisches Jahrbuch" ebenso wie die Bände zu lateinischen Inschriften von Hans-Joachim Kann.
Immer wieder wagten sich die ET auch an Unbequemes wie ein Buch zum KZ-Lager Hinzert, einen Bildband zur Apartheid, oder an vermeintlich Kurioses wie den Titel "Ladykillers - Warum Rauchen eine Frauenfrage ist". Da konnte es wirtschaftlich schon mal eng werden. Trotzdem bleibt Rainer Breuer dabei: "Von uns wird auch weiterhin immer mal Schräges zu erwarten sein."
Nicht zuletzt beim Ausbau der Kunstaktivitäten, die heute einen besonderen Schwerpunkt der ET darstellen. "Wir sind schließlich der zweitälteste Kunstverein Triers" - darauf ist Breuer stolz. So wird auch das Jubiläum mit einer ansehnlichen Kunstausstellung gefeiert. Allerdings nicht als Retrospektive: 15 Künstler aus der Region Trier und Luxemburg präsentieren im großen Ausstellungsraum der Tuchfabrik neue Werke. "Bei manchem ist die Farbe kaum trocken", scherzt Breuer. Aber ganz ohne Nostalgie geht es dann doch nicht. Wer will, zeigt im Geschoss darunter Arbeiten aus der Vergangenheit.
Zurück zum "Moos" vom Anfang. "Manchmal war das wirtschaftliche Überleben nicht leicht", bestätigt Breuer. Weshalb sein Geburtstagswunsch für den Verein, der sich aus Mitgliedsbeiträgen, Eintrittsgeldern, Verkäufen und Spenden nährt, erwartungsgemäß lautet: "Wir wünschen uns künftig mehr Sponsoren."
Ausstellung: 28. November bis 21. Dezember, Vernissage heute Abend um 19.30 Uhr, Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag 14 bis 17 Uhr, Donnerstag 17 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr, Telefon: 0651/ 718-2412, www.tufa-trier.de

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