Ein Hauch von Buenos Aires in Trier

Trier. Requiem, Oratorium, Tänze oder Oper? Die Zuhörer im ausverkauften Amphitheater mussten sich am Sonntagabend nicht entscheiden. Das Collegium Musicum präsentierte Höhepunkte aus 40 Jahren Orchester- und Chorgeschichte.

Trier Gespannte Stille breitet sich im Amphitheater Trier aus. Rund 200 Musiker haben sich auf der Bühne versammelt. Alle Blicke sind konzentriert auf Dirigent Mariano Chiacchiarini gerichtet. Dann durchbricht wirkungsmächtig das "O Fortuna" aus Carl Orffs Carmina Burana die Stille. Eine erhabene Konzerteröffnung, die selbst ein kleines Jubiläum birgt: Bereits 1992 hat das Collegium Musicum Carmina Burana im Amphitheater aufgeführt. Das Schicksal ist ihnen an diesem Abend sehr gewogen: Die Sonne scheint, das Amphitheater ist bis auf den letzten Platz besetzt und musikalisch gelingt ihnen eine überzeugende und abwechslungsreiche Darbietung.
Mit dem Jubiläumskonzert blicken Chiacchiarini und seine Musiker auf 40 Jahre Musikgeschichte des Collegium Musicum zurück. Auf dem Programm stehen ausschließlich Highlights, Auszüge aus Werken, die in den letzten 40 Jahren gespielt wurden: Libera me - dies irae aus dem Reqiuem von Giuseppe Verdi, aus Johannes Brahms Ungarischen Tänzen Tanz Nr. 1 oder auch das Va, pensiero aus Verdis Oper Nabucco. Ein vielfältiges Programm. "Ein solches Repertoire birgt die Herausforderung, dass man bei jedem Stück direkt umschalten und sich auf etwas Neues einstellen muss", sagt Dirigent Chiacchiarini.
Geigerin Tabea Ramsch, die bereits seit 2010 im Orchester spielt, ergänzt: "Jeder von uns verbindet bestimmte Erfahrungen und Erinnerungen mit den Stücken. Manche wurden vor Jahren aufgeführt. Das jetzt in einer Interpretation zusammen zu bringen ist eine spannende Herausforderung."
Chor und Orchester proben die Stücke zunächst getrennt. Erst am Probewochenende zwei Wochen vor dem Konzert trifft man sich, um die Werke zusammen zu setzen. "Neben dem Musikalischen wird Wert darauf gelegt, prosozial zu arbeiten, um ein Gemeinschaftsgefühl als Kollegium zu entwickeln", sagt Bassist Steffen Kramer.
Dirigent Chiacchiarini ist mit der Leistung und der musikalischen Entwicklung seiner Musiker sehr zufrieden. Während seiner Zeit als Dirigent hat sich der Chor von 35 auf 150 Sänger und das Orchester von 32 auf 72 Musiker erweitert und auch das künstlerische Niveau ist deutlich angestiegen.
Davon konnten die Zuhörer sich selbst beim Höhepunkt vor der Pause, dem Credo aus der Misa a Buenos Aires, auch Misa Tango genannt, überzeugen. Eindrucksvoll werden hier typisch lateinamerikanische Rhythmen mit der Form der klassischen Fuge zusammengeführt, wodurch ein intensives Pulsieren entsteht. Im Stil des Tango Nuevo gehalten, darf als besonderes Element das Bandoneon, gespielt von Juan Guerra, nicht fehlen. Mit seinem ganz eigenen Klang fügt es dem Werk eine leicht melancholische Farbe hinzu, die vor allem im Zusammenspiel mit Chor, Orchester und Sopransolo, gesungen von Agnes Lipka, eine überzeugende Wirkung erzielt.
Das Werk wurde für das Collegium Musicum extra umgeschrieben. Chiacchiarini berichtet dem Publikum von Verhandlungen mit dem Komponisten: Ohne Bläserstimmen könne man die Misa Tango leider nicht spielen. Die darauf folgende Bearbeitung habe dem Komponisten selbst dann so gut gefallen, dass er sie auch in Buenos Aires übernommen habe. Südamerikanisches Flair zieht sich auch durch den zweiten Teil des Konzerts: Der Danzón Nr. 2 von Arturo Márquez zeugt von Spielfreude und Energie. "Bei diesem Stück dürft ihr gerne lächeln", hatte Chiacchiarini seinen Musikern in der Anspielprobe noch mit auf den Weg gegeben.
Das letzte Stück des Abends, die Polowetzer Tänze von Alexander Borodin, schlägt eine Brücke zu den Anfängen: Es war Chiacchiarinis erstes Werk als Dirigent in Trier und bildet jetzt den Abschluss eines gelungenen Konzertabends, der eindrucksvoll die Entwicklung des Collegium Musicum demonstriert.

Für die Zukunft sucht das Collegium Musicum nach Entwicklungsmöglichkeiten. Im Gespräch ist die Option eines zweiten Konzertes oder eine Konzertreise.. Im Februar hat sich ein Förderverein gegründet, der die Arbeit des Collegium Musicum und der Universität unterstützt, um solche Projekte realisieren zu können.
Weitere Fotos gibt's auf volksfreund.de/fotos.

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