Wildtierzentrum steht vor dem Aus - Standorte Wiltingen und Saarburg gefährdet

Wiltingen/Saarburg. Der Verein kämpft wegen Geldmangels ums Überleben, die Standorte in Wiltingen und Saarburg sind akut gefährdet. Das Tierheim Trier kann jedoch nicht einfach einspringen.

"Hallo", so freundlich begrüßen die beiden Aras Lore und Susi Besucher im Wildtierzentrum Wiltingen. Die Lage ist jedoch sehr ernst. 130 Mitglieder im Verein rund um den Gründer Jürgen Meyer haben sich die Pflege und Auswilderung von Fundtieren auf die Fahnen geschrieben. Doch das Modell steht auf der Kippe. Der Verein hat einen Hilferuf über das soziale Netzwerk Facebook abgesetzt. Die Schließung stehe schon zum Monatsende bevor, wenn nicht endlich mehr finanzielle Unterstützung komme.

Meyer ist verzweifelt: "Seit 30 Jahren helfen wir hier Fundtieren, und jetzt steht alles vor dem Aus." Der Grund ist einfach: Geldmangel. Die Einnahmen bleiben - wenn es gut läuft - gleich. Aber die Tiere, die dort aufgepäppelt und wieder freigelassen werden sollen, werden immer zahlreicher.

"Alles begann mit einer Rabenkrähe, die wir wieder fit bekamen und fliegen lassen konnten", erinnert sich Meyer an das Jahr 1989. Seitdem sind weit über 20 000 Tiere, vom Zaunkönig bis zum Uhu, von der Spitzmaus bis zum Reh, versorgt worden. 70 Prozent haben die Behandlung gut überstanden und wurden wieder freigelassen.

Einige schafften es nicht. Andere werden wohl ihren Lebensabend bei Familie Meyer verbringen, wie etwa die Kröte Kylwalda, die am Bein operiert werden musste, aber jetzt nicht mehr hüpfen oder sich eingraben kann. Passanten hatten sie und ihren Krötenpartner davor bewahrt, von Autos plattgefahren zu werden.

"Im vergangenen Jahr haben wir einen Rekord von 1290 Tieren aufgestellt", sagt Schriftführerin Ute Marx. Kassenwartin Rosalinde Schmitt weiß nicht mehr, wo sie das Geld für die vielen hungrigen Mäuler und die Behandlungskosten hernehmen soll. Dabei hat Jürgen Meyer sich so viel Fachkompetenz angeeignet, dass er sogar abgebrochene Federn so wieder einsetzen kann, dass der Vogel wieder flugfähig wird. Das spart Tierarztkosten.
Der 53-Jährige ist als Maler und Lackierer voll berufstätig und sagt: "Wenn ich nach Hause komme, beginnt die zweite Schicht." Oft sei auch nachts was los mit den Tieren und an Schlaf nicht zu denken. Urlaub ist ein Fremdwort. Meyer befürchtet den Burn-out. Damit das nicht passiert, will er sein Zentrum im April schließen.

Menschen wie Gertrude Kranz aus Mertesdorf, die selbst schon mal Tiere in Wiltingen abgegeben hat, sind entsetzt: "Diese Nachricht war für mich ein Schock. Es tut mir im Herzen weh, dass so eine wichtige und kompetente Stelle geschlossen wird." Das wäre ein großer Verlust für den Tierschutz.

Etwa 30 000 Euro Kosten fallen pro Jahr an, Tendenz steigend. Die Zuschüsse von Land, Kreis, Mitgliederbeiträgen und Spenden reichen nicht mehr. Auch wenn die Spendenaktion "Meine Hilfe zählt" des TV die Situation etwas entschärft hat.

Eine Lösung hat Jürgen Meyer schon mehrfach vorgeschlagen: "Ich bin bereit, Vollzeit für das Zentrum zu arbeiten und dabei Gehaltseinbußen im Vergleich zu meiner Arbeit in Luxemburg hinzunehmen."

Der Landesvorsitzende des Tierschutzbundes Rheinland-Pfalz, Andreas Lindig, erklärt das Problem: "Bei Haustieren, die gefunden werden, haben die Kommunen eine gesetzliche Pflicht, sich darum zu kümmern. Bei Wildtieren gibt es diese Pflicht nicht." Es bleibe nur eine moralische Verpflichtung.

Der Landesverband kämpft um den Erhalt der beiden Standorte in Wiltingen und Saarburg, auch der Umweltbildung wegen: "Hier könnten beispielsweise Schulklassen viel über Wildtiere erfahren." Aber 30 000 Euro zusätzlich im Jahr aufzubringen sei kurioserweise offenbar schwieriger, als in anderem Zusammenhang weit größere Fördersummen zu bekommen, kritisiert der Landesvorsitzende: "Niemand fühlt sich zuständig." Naturschutz gebe es halt nicht zum Nulltarif. Lindig will die Hoffnung nicht aufgeben und weiter kämpfen. Die Kommunen, in denen die Tiere aufgegriffen wurden, könnten sich doch jeweils mit einer Spende beteiligen, findet Jürgen Meyer.

Infos - auch zu Spenden - im Internet: www.wildtierzentrum.deTIERSCHUTZVEREIN SCHLäGT ALARM

(cus) Inge Wanken, Vorsitzende des Tierschutzvereins Trier und Umgebung, ist alarmiert: "Wir haben im Tierheim keine Betriebserlaubnis für die Aufnahme von Wildtieren und auch keine in Aussicht, da die Versorgung unsere finanziellen und personellen Möglichkeiten übersteigt. Unsere Kapazitätsgrenze ist längst erreicht." Als Lösung plädiert Wanken für die Einrichtung einer Arbeitsstelle zur Leitung des Wildtierzentrums, besetzt durch Jürgen Meyer. Doch davon wollen die Behörden derzeit laut der Vorsitzenden offenbar nichts wissen: "Die Stadt Trier und der Kreis Trier-Saarburg sind abgetaucht." Der Einzugsbereich des Wildtierzentrums reicht sogar von Traben-Trarbach im Kreis Bernkastel-Wittlich über Daun bis nach Hermeskeil und ins Saarland hinein.

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