Mit Visionen und neuen Ideen

Kell am See. Vor 55 Jahren, am 20. Juni 1958, ist August Justen zum Bürgermeister der damaligen Amtsverwaltung und späteren Verbandsgemeinde Kell gewählt worden. Am Wochenende feiert er seinen 90. Geburtstag.

Kell am See. August Justen ist stolz auf das, was er in seiner Laufbahn erreicht hat. Insgesamt viermal wurde er zum Bürgermeister von Kell am See gewählt. Und immer habe er zu Ende führen wollen, was er einmal begonnen habe, sagt er in einem Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund in seiner Schweicher Wohnung. "Ich habe mich immer der moralischen Verpflichtung verschrieben", sagt er. "Ich wollte schon als junger Bürgermeister die Zukunft gestalten, mit Visionen und neuen Ideen. Diesen Leitsatz hatte ich immer vor Augen."Vater von zwei Söhnen

Mit Stolz erzählt der Vater zweier Söhne, einer Enkeltochter und eines Urenkels, für den Bau des Keller Stausees mit all seinen Problemen mitverantwortlich gewesen zu sein. Ebenso, dass der Manderner Betrieb Bilstein von etwa 60 auf 1200 Beschäftigungsplätze wachsen konnte. "Dass uns die Strukturveränderung in der Verbandsgemeinde Kell am See gelungen ist und dass die Arbeit der Bauern, die Landwirtschaft und der Wald eine angemessene Berücksichtigung erhalten haben, darauf bin ich stolz", sagt Justen heute. Ebenso stolz sei er darauf, immer Ansprechpartner für die sozial Schwachen gewesen zu sein. Wichtig sei es ihm gewesen, zu versuchen, Probleme in der Bevölkerung zu lösen, für die Menschen da zu sein, mit ihnen gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Unzählige Ehrungen und Auszeichnungen hat der Alt-Bürgermeister erhalten. Das Bundesverdienstkreuz, die höchste Anerkennung des Deutschen Roten Kreuzes, das Ehrenzeichen, sowie die Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Verbandsgemeinde Kell am See sprechen eine deutliche Sprache. Justen ist Ehrenvorsitzender bei der Tourist-Information Trier Stadt und Land, beim Deutschen Roten Kreuz, beim CDU-Gemeindeverband und bei der Senioren-Union. Zudem ist er Ehrenmitglied beim Heimat- und Kulturverein Kell am See, trägt das goldene Ehrenzeichen des Deutschen Feuerwehrverbandes und wurde mit der VdK-Verdienstmedaille sowie dem Landesverdienstorden in Gold ausgezeichnet. Mit seiner Ehefrau Hildegard, die aufgrund gesundheitlicher Probleme auf seine Hilfe angewiesen ist, lebt der Jubilar seit rund zwei Jahren in Schweich. Er ist zufrieden: "Für meine Freunde steht die Tür meiner Wohnung immer offen."Extra

... Alt-Bürgermeister August Justen Was war der schönste Moment in Ihrem Leben? Justen: "Das war ein Gespräch mit August Bilstein in den Anfängen meiner Dienstzeit in Kell, der mich herausforderte: Wenn Sie mir Strom für meine Firma in Mandern-Niederkell besorgen, bin ich bereit, das Werk um 1000 Arbeitsplätze aufzustocken. Es ist mir gelungen, eine Überlandleitung bis nach Mandern durchzusetzen." Was war der bitterste Moment in Ihrem Leben? Justen: "Der bitterste Moment in meinem Leben war, als ich von Kell am See nach Schweich umzog und meine Heimat, in der ich 55 Jahre gelebt hatte, verließ. Doch es war die vernünftigste Lösung für mich und meine Frau." Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen? Justen: Neben der Gesundheit meiner Frau und der meinigen würde ich mir wünschen, dass die Verbandsgemeinde Kell am See als eigenständige Institution erhalten bleibt. Dafür wurde zu viel Herzblut von allen Politikern in unsere Heimat gesteckt, als dass sie eventuell als fünftes Rad am Wagen einer anderen VG zugehörig sein würde. hm

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