Sprachhilfe für einen kleinen Fußballfan aus Angola im Gerolsteiner Krankenhaus

Jones (hintere Reihe Mitte) freut sich über die Spielkameraden Juliano (hinten links), Jonatan und Jule, die Kinder von Priscilla Rodrigues de Mattos, die eine wichtige Ansprechpartnerin für den kleinen Patienten ist. Foto: KrankenhausFOTO: (e_daun )

Gerolstein. Ein Elfjähriger aus Angola wird im Gerolsteiner Krankenhaus behandelt. Übersetzerin ist eine gebürtige Brasilianerin aus Lissingen.

Jones ist ein echter Wirbelwind. Ständig ist er mit seinem Fußball unterwegs, auf der Suche nach Mitspielern. Sicher nichts Ungewöhnliches für einen Elfjährigen, wären da nicht die Begleitumstände - und die sind alles andere als gewöhnlich.
Denn der Ort, wo Jones seine Mitspieler sucht, ist das St.-Elisabeth-Krankenhaus in Gerolstein. Zudem stammt er aus Angola (siehe Info), und in der Eifel ist er ganz ohne familiäre Begleitung. Er wird seit Anfang März im Gerolsteiner Krankenhaus an einer Armverletzung behandelt. Zwei Operationen hat er schon hinter sich, möglicherweise steht noch eine dritte an.

Vermittelt worden ist seine Behandlung von Friedensdorf International, einer Hilfseinrichtung mit Sitz im Ruhrgebiet, die kranke und verletzte Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten zur medizinischen Versorgung nach Deutschland holt. Die Behandlungskosten übernimmt das Gerolsteiner Krankenhaus.

Nach einigen Monaten dort gehört Jones schon zum "Inventar" des Klinikums. Man sieht ihn überall, und wer Zeit hat, beschäftigt sich mit ihm und wird von dem Jungen gern ins "Fußballteam" aufgenommen.
Seine große Leidenschaft teilt er auch mit Assistenzarzt Sergey Zakatov, der mittlerweile ein treuer Mitspieler ist. "Im Krankenhaus wundert sich längst keiner mehr, wenn der kleine Junge mit dem Fußball im Flur unterwegs ist", sagt Krankenhausoberin Helga Beck. Aber bei aller Kontaktfreude ist da die Sprachbarriere, die den Aufenthalt des kleinen Angolaners nicht so einfach macht, denn seine Muttersprache ist portugiesisch. "Auf Bitten der Schwestern der chirurgischen Station wurde jemand gesucht, der die Sprache kann", berichtet die Krankenhausoberin. Was sich zunächst nicht so einfach gestaltete - bis sich Priscilla Rodrigues de Mattos meldete. Die 36-Jährige hat selbst drei Kinder und lebt mit ihrem Mann im Gerolsteiner Stadtteil Lissingen. Sie stammt aus Brasilien und ist vor 24 Jahren nach Deutschland gekommen.

Als sie erfuhr, dass im Krankenhaus ein kleiner Junge ist, der nur portugiesisch spricht, habe sie sich spontan bereit erklärt, zu helfen, sagt Helga Beck. Seit Anfang Juni besuche sie Jones mit ihren Kindern Juliano (12), Jonatan (9) und Jule (4) mindestens dreimal in der Woche im Krankenhaus. Die Kinder spielen, Priscilla Rodrigues de Mattos übersetzt. Außerdem telefoniert sie fast täglich mit Jones. "Sie freut sich darüber, dass der Elfjährige gerne lernt, dass er schon gut lesen und schreiben kann. Sein Deutsch wird zusehends besser, er kann einiges verstehen und auch einige Worte reden", berichtet die Oberin.

Wie groß denn wohl sein Heimweh ist? "Auf diese Frage hat er geantwortet: Ich weiß, dass mir hier geholfen wird, das kann ich gut ertragen." Aber natürlich freut er sich auf ein baldiges Wiedersehen mit seiner Familie. In Angola warten Vater, Mutter und seine acht Jahre alte Schwester.

Und weitere "Mitspieler" sind willkommen: "Im St.-Elisabeth-Krankenhaus sind alle froh und dankbar, dass sich Priscilla Rodrigues de Mattos die Zeit nimmt, sich um den kleinen Jones zu kümmern und vor allen Dingen auch das Problem der Kommunikation löst. Und wenn sich jemand angesprochen fühlt und Jones besuchen oder mit ihm spielen möchte, er freut sich über jeden, der Zeit mit ihm verbringt", sagt Helga Beck.Extra: 7000 Kilometer von zuhause entfernt

Der kleine Gerolsteiner Patient stammt aus Angola, einem Staat in Südwest-Afrika. Er grenzt an Namibia, Sambia, die Republik Kongo, die Demokratische Republik Kongo und den Atlantischen Ozean. Hauptstadt ist Luanda. 1975 wurde Angola von Portugal unabhängig. Von Deutschland ist das Land gut 7000 Kilometer entfernt.

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