Nach Kelberger Ausstieg aus Windkraftplanung: Sanierung des Ferienparks Gunderath liegt auf Eis

Kelberg. Die Millionen für die Sanierung des Ferienparks in Gunderath (Vulkaneifelkreis) sind erst einmal auf Eis gelegt. Der Betreiber reagiert damit auf die Entscheidung, aus der Windkraftplanung auszusteigen.

Ende vergangenen Jahres schien alles klar zu sein: Die Ferienparks in der Verbandsgemeinde (VG) Kelberg bleiben "rotorenfreie Zone". Der VG-Rat hatte vereinbart, dass in einem Radius von 2000 Metern rund um die Parks in Gunderath und Drees keine Windräder aufgestellt werden dürfen. Die Firma Center Parcs, zu der die Anlage in Gunderath gehört, hatte zuvor große Bedenken geäußert, wenn direkt oberhalb des Parks Windräder hinkämen, was sich negativ auf die Gästezahlen auswirken könnte.

Problem gelöst - so sah es zumindest nach der Ratssitzung im Herbst 2016 aus. Nun aber hat der VG-Rat beschlossen, auf einen sogenannten Flächennutzungsplan zu verzichten und damit aus der Windkraft-Planung auszusteigen. In dem Plan hätten Gebiete ausgewiesen werden können, in denen keine Windräder gebaut werden dürfen - zum Beispiel 2000 Meter rund um die Ferienparks.

Robert van der Kas, Geschäftsführer des Center Parcs Eifel in Gunderath, hat kein Verständnis für die Entscheidung des Rats. "Wie kann eine Region nur so einen touristischen Selbstmord begehen. Wir sind entsetzt und machen uns große Sorgen. Wenn die bisher geplanten 2000 Meter Abstand zu den Ferienparks wegfallen, wird sich das mit Sicherheit auf unser Gästeaufkommen auswirken. Unsere Besucher kommen wegen der unberührten Natur, sie wollen im Urlaub keine Windräder sehen".

Seinen Angaben zufolge hatte Center Parcs geplant, gut 30 Millionen Euro in den nächsten zwei Jahren in den Ausbau und die Sanierung der Häuser in Gunderath zu investieren. "Das alles wurde in zwei Minuten vom Tisch gefegt. Die Investition stand unmittelbar bevor, weil wir uns zum Standort bekennen wollten. Die Pläne sind fertig, das Geld ist da, und dann stellt man uns mit dem Beschluss ein Bein. Es ist jetzt soweit, dass wir unsere Pläne überdenken müssen, denn die Ausgangslage hat sich grundlegend verändert. Alles steht auf der Kippe", sagt van der Kas. "Wir werden jedenfalls alles tun, damit die Windkraftanlagen nicht in unsere Nähe kommen."

Der Geschäftsführer bemängelt auch das Miteinander zwischen dem Park und der VG: "Wir fühlen uns von der Verwaltung richtig im Stich gelassen". Reaktion darauf aus dem Kelberger Rathaus: "Investitionen des Center Parcs Eifel in Gunderath sind reine Spekulation und wurden bislang von den verantwortlichen Personen in keinster Weise belegt", heißt es in einer Stellungnahme.

Mit dem Ausstieg aus der Windkraftplanung hatte sich der VG-Rat schon im Herbst vergangenen Jahres befasst, aber erst in der jüngsten Sitzung fand sich dafür eine Mehrheit. Zehn Ratsmitglieder und Bürgermeister Karl Häfner (CDU) stimmten für das Ende der Planung, acht Ratsmitglieder dagegen. "Da ein Ende der Planung nicht absehbar und auch die Planungskosten von zusätzlichen rund 200.000 Euro gegenüber den Gemeinden und Bürgern nicht mehr zu rechtfertigen waren, hat sich die Mehrheit des Rates für unseren Antrag und gegen die Fortführung des Flächennutzungsplans entschieden", erklärt der SPD-Fraktionsvorsitzende Berthold Engelhardt.

Heftige Kritik an der Entscheidung kommt erwartungsgemäß von der Fraktion Sturm im Wald. Für Reinhold Jansen ist nun "der Ausverkauf der geschützten Kelberger Landschaft an die Windkraftinvestoren eingeleitet, bevor dann demnächst die Kommunalreform das Schicksal dieser VG besiegelt."

Fraktionssprecher Markus Ewinger hält die Rechtmäßigkeit der Abstimmung für "fragwürdig" und eine Überprüfung auf Verfahrensmängel angesagt. "Mit diesem Votum sollte sich die Kommunalaufsicht des Kreises befassen. Wir werden hier tätig werden."KommentarMeinung

Wenn das mal kein Eigentor wirdLassen Verbandsgemeinden in der Regel über Planungen auf eigenem Terrain sehr ungern andere entscheiden, hat die VG Kelberg ohne wirkliche Not das Heft des Handels in Sachen Windkraft aus der Hand gegeben. Wenn das mal kein Eigentor wird! Und damit offenbar gleich noch eine Millioneninvestition in Gefahr gebracht. Ob es wirklich klug ist, einen langjährigen Partner und bedeutenden Arbeitgeber wie den Ferienpark in Gunderath so zu verprellen? Auf ein gutes Miteinander mit einem solchen wirtschaftlichen Schwergewicht kann die VG nicht verzichten. s.sartoris@volksfreund.deExtra: EIFELER PARK IN FRANZÖSISCHER HAND

Der Ferienpark in Gunderath ist mit 460 Bungalows und mehr als 400 000 Übernachtungen im Jahr einer der größten Ferienparks in Rheinland-Pfalz. 250 Menschen arbeiten dort. 1979 wurde er eröffnet und hat in den vergangenen fast 40 Jahren zahlreiche Besitzerwechsel hinter sich. Heute gehört er zur Firma Center Parcs, die wiederum Teil der französischen Unternehmensgruppe Pierre & Vacances ist. Sie beschäftigt rund 8800 Mitarbeiter. Der Umsatz des Konzerns lag 2016 bei rund 500 Millionen Euro.

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