Kommen Windräder nach Speicher?

Orenhofen. Bislang steht in der Verbandsgemeinde Speicher noch kein einziges Windrad. Das soll sich zwar ändern, doch es gibt Probleme. Die größte Unbekannte ist die Flugsicherheit. Immerhin liegen die Orte der VG nahe an der Air Base.

Felder, Felder, Felder - soweit das Auge reicht. Eine Straße schlängelt sich durch die Hügel wie ein Fluss. Oben auf der Bergkuppe wachsen Bäume, dazwischen ragen Hochsitze hervor. Wenn ein Jäger hier einen Schuss abfeuert, muss er meilenweit zu hören sein - so still ist es hier, zwischen Orenhofen und Speicher. Alle paar Minuten kämpft sich ein Auto diese fünf Kilometer hoch. Sonst passiert nicht viel. Besser gesagt: noch nicht.

Denn irgendwann - so ist es seit Jahren geplant - sollen hier Windräder stehen. Es werden die ersten sein, die sich in der Verbandsgemeinde (VG) Speicher drehen. Und der Anfang ist schon gemacht: Die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord hat der Zielabweichung für den Flächennutzungsplan der VG zugestimmt.

Aha, und was heißt das? Bauamtsleiter Edmund Weimann erklärt es so: Um das Jahr 2000 habe man eine etwa ein Hektar große Fläche für die Windenergie ausgewiesen, diese aber inzwischen wieder verworfen. Rund fünfzehn Jahre später seien dann zwei neue Standorte ins Spiel gekommen (der TV berichtete) - unter anderem der zwischen Orenhofen und Speicher. Der andere liegt in der Nähe des Gasthauses Rothaus.

Die SGD Nord hat nun zugestimmt, die beiden neuen Flächen in den Plan aufzunehmen und die alte rauszuwerfen. Eine Formalität also? "So könnte man es sagen", meint Weimann. Aber eine Formalität, die geklärt werden muss, bevor es losgeht mit dem Bau. Aber soweit sei man ohnehin noch nicht.

"Wir haben eine große Unbekannte", meint Weimann. Noch wissen die Speicherer nämlich nicht, wie hoch sie ihre Windräder bauen dürfen. Probleme könnte es wegen der Air Base Spangdahlem geben. Dort starten und landen, nur wenige Kilometer von den Sonderflächen entfernt, Jets. Vor allem den Fluglotsen können die Rotortürme Probleme machen. Die Sorge: Die Windkraftanlagen würden Radarsignale stören und somit Flugzeuge vom Kurs abbringen. (siehe Info). Es wäre nicht das erste Mal, dass die Interessen des US-Militärs mit denen der Windkraftbefürworter in Konflikt geraten. 2013 sollte in Zemmer, unweit von Orenhofen, ein Windpark entstehen. Damals legte der damalige Kommandeur des 52. US-Jagdgeschwaders David J. Julazadeh Widerspruch ein. Die Begründung: Die Turbinen würden "das Radarsystem beeinflussen". Letztlich wurde das Projekt ad acta gelegt. Schuld daran war aber nicht der Protest der Base, sondern der Protest der Bürger.

Auch in den Verbandsgemeinden Wittlich-Land und Kyllburg fielen einige Sonderflächen wegen der Nähe zum Stützpunkt weg (der TV berichtete mehrfach).

Wird es auch in Speicher Probleme geben? Die Verbandsgemeinde hat bei der Air Base nachgefragt und Experten der Flugsicherheit kontaktiert. Bislang blieben diese Schreiben unbeantwortet. Ähnlich lief es auch auf TV-Anfrage: Beim Jagdgeschwader möchte man zu diesem Thema nichts sagen. Stattdessen verwiesen die Amerikaner auf die deutsche Luftwaffe, die dafür zuständig sei. Doch bei der Luftwaffe in Köln-Wahn wiederum war gestern keiner zu erreichen. Wir bleiben dran.

Davon unabhängig ist die Flugsicherheit auch nicht die einzige Frage, die noch unklar ist. Bislang haben die Speicherer noch nicht einmal Planungsrecht. Trotzdem führe die Verwaltung schon Gespräche mit Unternehmen, die sich für die Flächen interessieren, verrät Weimann.

Wie die Gemeinden mit den Anlagen Geld verdienen wollen? Hier greifen die Kommunen auf ein bewährtes Konzept zurück: Sie wollen die Windräder nicht selbst betreiben, sondern die Grundstücke an Investoren verpachten. Wer am meisten für die Flächen bietet, gewinnt. Und die sind riesig. Um genau zu sein: 188 Hektar. Das entspricht etwa 250 Fußballfeldern - viel Platz also für Rotoren. Wie viel es genau werden sollen, "ob drei, fünf, sieben oder zehn", kann Weimann noch nicht sagen. In diesem Jahr, da ist der Bauamtsleiter sich sicher, werde das sowieso nichts mehr.Extra

Flugsicherheit

Fast 30 000 Windräder drehen sich in der Bundesrepublik, und es sollen noch mehr werden. Nur gehen den Betreibern die Stellflächen aus. Daher wollen sie die Rotorentürme näher an Flughäfen bauen. Konflikte mit der Luftraumüberwachung ließen nicht lange auf sich warten. Denn die Windkraftanlagen können Radarsignale verzerren. Das liegt daran, dass die Flügel der Türme ständig in Bewegung sind. Mit ruhig stehenden Gebäuden, wie Hochhäusern und dergleichen, gibt es keine Probleme. Flatternde Rotoren hingegen können den Radarstrahl zurückwerfen. Die Software der Lotsen kann die Unregelmäßigkeiten kaum korrigieren. Die geben den Piloten in der Folge falsche Daten durch. So kommt es, dass Flugzeuge vom Kurs abkommen. Ob das in Speicher passieren kann, müssen Experten prüfen.

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