Die faszinierende Welt der Bienen

Imkern macht Spaß. Die „alten Hasen“ und die Lehrlinge, die sich am Bienenstand in Steinebrück versammelt haben, finden das auf jeden Fall. Tv-Fotos (5): klaus KimmlingFOTO: klaus kimmling (e_bit )

Bitburg. Imker werden ist gar nicht so schwer. Aber man muss es lernen. Verbände wie der Kreisimkerverband Bitburg helfen weiter und bauen beim Nachwuchs besonders auf Familien.

Bitburg Vorsichtig, ganz vorsichtig, hebt der kleine Lennart mit blanken Händen die Wabe aus dem Bienenstock. Es wimmelt, wuselt, brummt und summt an allen Ecken. Schwarz-gelbes Durcheinander. Hunderte Bienen schwirren herum. Oder gar Tausende? Das ist Lennart egal. Der Siebenjährige weiß genau, was er tut. "Ich habe keine Angst", sagt er und grinst hinter seinem Imkerhut. Schließlich ist er ein alter Hase, was Bienen angeht. Er ist das Patenkind von Rainer und Heidi Molitor aus Wißmannsdorf, die einige Bienenvölker in ihrem Garten beherbergen.
"Das ist eine entschleunigende Beschäftigung", sagt Heidi Molitor. Das findet auch Ralf Schröder, frisch gewählter Vorsitzender des Kreisimkerverbands Bitburg-Prüm, der etwa 20 Imker und solche, die es werden wollen, am Lehrbienenstand in Steinebrück bei Bitburg-Stahl versammelt hat, um zu lernen, zu fachsimpeln und sich auszutauschen. "Das ist ein tolles Hobby, man kann gar nicht genug Werbung dafür machen", sagt der Speicherer.
Und das tun er und seine Vorstandskollegen. Deshalb gehören Kurse für Anfänger auch zum jährlichen Angebot des Vereins. Und so lernen in diesem Jahr etwa 20 Menschen aus der Eifel, wie man zum Imker wird. Jeweils von März bis Oktober dauern die Schulungen am Lehrbienenstand, wo an zwei Völkern mit je 25 000 bis 50 000 Insekten unter Anleitung von Peter Berger, Leiter des Lehrbienenstands, geübt wird, wie man den Insekten das passende Umfeld bietet, damit sie das tun können, was sie unablässig tun: Nektar sammeln, sich fortpflanzen, sich gegen Gegner verteidigen, Honig produzieren, sich um den Erhalt des Volkes kümmern.
Und dabei brauchen die Tiere Hilfe. Insbesondere durch die von der Varroamilbe verursachte Erkrankung sterben jährlich weltweit Hunderttausende Völker der Westlichen Honigbiene. "Ohne den Imker wäre die Biene zum Aussterben verdammt", erklärt Schröder. Schließlich könne nur durch das Eingreifen des Menschen der Milbe Einhalt geboten werden.
Und das sei dringend notwendig. Denn die Insekten bestäuben 80 Prozent der Nutz- und Wildpflanzen; ohne sie würden Obst und Gemüse zu Luxusgütern. Was das für die Ernährung der Weltbevölkerung für Konsequenzen habe, möge man sich besser nicht ausmalen, findet Schröder. Denn die Biene ist nach dem Schwein und der Kuh das drittwichtigste Nutztier des Menschen.
Auch durch Umwelteinflüsse, wie Pestizide und die moderne Landwirtschaft mit ihren Monokulturen, sind die Bienen gefährdet. So hat auch der Sohn von Dennis Hohlfelder-Pohl aus Sülm beobachtet, dass "in unserem Garten keine Bienen mehr sind", was seinen Vater veranlasst hat, den Anfängerkurs zu besuchen.
Das Problem der verschwindenden Bienen bereitet auch Peter Berger, der gerade eine Wabe aus dem Stock zieht, Sorgen. "Die müsste eigentlich rappelvoll sein", sagt er. "Etwa 2000 Bienen mehr pro Wabe wären normal", erklärt er. Die Ursachen? "Ja, möglicherweise Pestizide, kann aber auch sein, dass Unbefugte am Stock waren oder die Flugbienen eine Vergiftung erlitten und nicht mehr zum Stock zurückgefunden haben", sagt er.
Dann noch ein Check bei den Brutzellen. Haben die Larven genug Nahrung, ist die Königin unversehrt? Offenbar ja. Und wichtig zu wissen. Denn ohne Königin kann ein Bienenvolk nicht existieren. "Der Imker sorgt mit regelmäßigen Kontrollen dafür, dass die Bienen nicht schwärmen und mit der Königin den Bienenstock verlassen. Sollte das dennoch passieren, hat die Königin schon vor dem Schwärmen dafür gesorgt, dass von den verbleibenden Bienen im Stock eine neue Königin nachgezogen wird und genügend Drohnen (männliche Bienen) da sind, um die neue Königin zu begatten", sagt Schröder.
Denn Bienen haben eine ausgeklügelte soziale Arbeitsteilung. Völker bestehen aus einer Königin, einigen Hundert männlichen Drohnen und mehreren Tausend Arbeitsbienen, die wiederum verschiedene Aufgaben wie Nektar sammeln, Nestbau, Brutpflege oder Bewachung des Stockes haben. Und: Honig produzieren. Was besonders die Menschen interessiert und gerade bei den Imkern am Stand Thema ist. Denn Ende Juni/Anfang Juli, nach der Rapsblüte, ist die erste Honigernte angesagt. Die zweite folgt Mitte bis Ende Juli.
"Wir sind gerade am Schleudern", sagt Nicole Nicholson, die den Honig nicht nur wegen seines guten Geschmacks schätzt. Denn sie ist angehende Heilpraktikerin und setzt den Honig auch als Hausmittel ein.
So werden beispielweise bei der Apitherapie Bienenprodukte wie Honig, Propolis (eine Art Harz mit antibakterieller Wirkung, um Keime im Bienenstock zu vermeiden), Gelée royale (Futtersaft), Bienenwachs sowie Bienengift verwendet, um Entzündungen, Verbrennungen, Halsbeschwerden, ja sogar Rheuma zu behandeln. Und: "Der Honig schmeckt lecker", findet Lennart, der gerade Flugbienen beobachtet, die mit ihren vollen Pollensäckchen in den Stock zurückkehren.
Und Ralf Schröder weist noch einmal darauf hin, dass Honig nicht gleich Honig ist. "Die Billigprodukte für zwei, drei Euro taugen nicht viel", sagt er. Und rät dazu, ein Glas bei einem Imker in der Region zu kaufen. "Das kostet zwar dann etwas mehr, aber dafür sind sie enzym- und vitaminreicher." Besonders wichtig sei dies für Allergiker. Dass nur etwa 20 Prozent des in Deutschland verbrauchten Honigs von deutschen Imkern und deren Bienen erzeugt wird, findet er bedauerlich. Schröder: "Am Ende geht es aber um mehr als Honig. Es geht um die Bestäubung und den Erhalt der Honigbiene."
Peter Berger geht noch weiter: "Wer Bienen hat, muss sich engagieren für den Umweltschutz." Das und vieles mehr gibt er den angehenden Imkern mit, die wie Berger, der sich seit 30 Jahren für dieses besondere Hobby einsetzt, das Imkern mal aus dem Effeff können sollen. Dabei baut er auf Familien, die sich, wie er beobachtet, in den vergangenen Jahren vermehrt in die Imkerei einbringen. Denn zum Kursabschluss sind die Jungimker in der Lage, mindestens ein eigenes Bienenvolk zu bewirtschaften. Dazu erhält jeder Teilnehmer während der Ausbildung einen Ableger (ein kleines Bienenvolk mit Brutwaben aus vorhandenen Wirtschaftsvölkern). Darauf freut sich auch Björn Weber aus Dahlem, der den Kurs besucht. Er findet "die Leute nett und die Atmosphäre angenehm".
Auch Lennart findet das offensichtlich. Wenn er groß ist, will er auch mal Imker werden. Aber nur hobbymäßig. Baggerfahrer wäre da schon seine erste Option.Extra: VERBÄNDE/FACHZENTRUM


Kreisimkerverband Bitburg: 108 Mitglieder, gliedert sich in die Imkervereine Naturpark Südeifel, Bitburg und Kyllburg. Jährlich finden ab dem Frühjahr Kurse samstags von 10 bis 12 Uhr am Bienenstand in Steinebrück bei Bitburg statt Info: Kreisvorsitzender Ralf Schröder, Speicher, E-Mail: ralfschroeder@kiv-bitburg.de ; Leiter Lehrbienenstand: Peter Berger Bitburg, E-Mail: peterberger@ kiv-bitburg.de Kreisimkerverband Prüm Besteht aus den Imkervereinen Arzfeld und Prüm. Die jährlichen Kurse finden ab Ende März an acht Terminen von 10 bis 13 Uhr (meist sonntags) am Lehrbienenstand Prüm statt. Info: Josef Becker, Lünebach, Telefon 06556/7222. Kreisimkerverband Bernkastel-Wittlich Rund 220 Mitglieder, besteht aus den Imkervereinen Traben-Trarbach, Alftal-Kondelwald, Binsfeld und Umgebung, Thalfang/ Morbach, Hasborn sowie den Bienenzuchtvereinen Wittlich und Mülheim und Umgebung. Jährlich finden Kurse jeweils an drei Samstagen (9 bis 13 Uhr) mit theoretischem Teil in Wittlich und praktischem Teil an verschiedenen Bienenständen statt. Zum Abschluss gibt es Ableger. Info: Kreisvorsitzender Hermann-Josef Valerius, Telefon 06571/20845, E-Mail: hermann- josef.valerius@kabelmail.deKreisimkerverband Daun Rund 100 Mitglieder, gliedert sich in die Imkervereine Hillesheim, Gerolstein und Gillenfeld. Stammtisch ist jeden ersten Dienstag um 20 Uhr auf der Kasselburg in Pelm. Neueinsteiger sind willkommen. Für sie finden zwar keine regelmäßigen Kurse statt, aber eine Ausbildung durch einzelne Imker ist möglich. Ein Tag der Imkerei bei Kaffee und Kuchen findet am Sonntag, 16. Juli, um 14 Uhr am Lehrbienenstand in Gerolstein-Bewingen (an der Kreisstraße zwischen Gerolstein und Hillesheim) statt. Imker Guido Eich hält einen Vortrag. Gäste willkommen. Info: Kreisvorsitzender Nikolaus Dahmen, E-Mail: klaus@dahmen.online.de Beim rheinland-pfälzischen Fachzentrum für Bienen und Imkerei, Im Bannen 38, in Mayen finden regelmäßig Kurse und Vorträge statt. Einen Tag der offenen Tür mit allen Infos rund um Bienen und Imkerei gibt es am Sonntag, 2. Juli, von 10 bis 16 Uhr. Info: <%LINK auto="true" href="http://www.bienenkunde.rlp.de" text="www.bienenkunde.rlp.de" class="more"%>Extra: BIENEN UND IMKEREI


Die Bienen sind eine Insektengruppe, in der mehrere Familien der Hautflügler zusammengefasst werden. Viele davon, vor allem die solitär lebenden, werden unter dem Begriff Wildbienen zusammengefasst. Staaten wie bei der Honigbiene sind unter den Bienenarten die Ausnahme. Die meisten aller Arten sind Solitärbienen und Kuckucksbienen, die allein leben. Für die Imkerei hat die Westliche Honigbiene die größte Bedeutung. In den 50er Jahren gab es in Deutschland noch rund 2,5 Millionen Bienenvölker, derzeit geht man noch von 750 000 Bienenvölkern und 108 000 Imkern aus. Die Quote der Bienenverluste liegt in Rheinland-Pfalz bei 20 Prozent. Das Bienensterben hat größtenteils mit der Varroamilbe zu tun. Doch solange der Imker seine Völker häufig mit organischen Säuren behandelt und die Bienen nach der Honigernte anfüttert, kann es gering gehalten werden. In Rheinland-Pfalz gibt es laut DLR etwa 4300 Imker in Vereinen und Verbänden und zusätzlich 300 bis 400 nicht organisierte Imker, die zusammen etwa 45 000 bis 50 000 Bienenvölker betreuen. Durch Kurse wollen die Imkerverbände neue Imker gewinnen. Bienenstöcke können im Garten oder auf Dachterrassen in Städten aufgestellt werden. Um mit einem oder zwei Völkern zu starten, müssen etwa 300 bis 500 Euro in Zubehör, Kleidung, Werkzeug und so weiter investiert werden. Einmal pro Woche sollte ein Imker ein paar Stunden in sein Hobby investieren.

Lennart zeigt stolz ein herausgebrochenes Stück einer Wabe.FOTO: klaus kimmling (e_bit )
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