Premiere ohne Rüstung: Bischof diskutiert über XXL-Pfarreien

Ochtendung. Erstmals seit Bekanntgabe der neuen Pfarreienstruktur im Bistum Trier hat sich Bischof Stephan Ackermann am Freitagnachmittag der Diskussion mit mehreren Hundert Gläubigen gestellt. Bei der Diskussion über die neuen Pfarreien treten die Befürchtungen des Bischofs nicht ein.

Stephan Ackermann kommt mit einer satten Viertelstunde Verspätung, aber dafür ohne Rüstung. "Der Stau", sagt der Trierer Bischof entschuldigend zu den rund 300 Gläubigen, die mit ihm über die neue Pfarreienstruktur diskutieren wollen. Acht Veranstaltungen dieser Art sind in den nächsten Wochen geplant, in Ochtendung bei Koblenz ist am Freitag Premiere.

Der Bischof ist ein bisschen nervös, das sieht man dem Zuspätgekommenen an, als er am Eingang der Halle das Ende des Gebets abwartet. Davor haben sie in der gut gefüllten Kulturhalle zur Einstimmung gesungen: "Bleib nicht stehen, bei dem, was früher war. Halt nicht fest an uralten Zeiten."

Der Bischof und mit ihm viele Gläubige, die die Eckpunkte der Reform erarbeitet haben, wollen sich nicht nur von uralten Zeiten verabschieden, sie planen mit den aus der Synode hervorgegangenen Vorschlägen fast schon eine kleine Revolution. Die neuen XXL-Pfarreien - künftig soll es in Deutschlands ältestem Bistum nur noch 35 statt der bislang 887 Pfarreien geben - sind nur der Auftakt. Kein einfacher.

Das hat Bischof Ackermann schon vor anderthalb Jahren geahnt, als er bei einem TV-Redaktionsgespräch orakelte, er sehe sich nach der Synode "schon werbend durchs Land fahren - in einigen Orten womöglich in einem gepanzerten Wagen".

In Ochtendung benötigt der Bischof keine gepanzerten Wagen und auch keine Rüstung. Zwar wird der 54-Jährige mit eher verhaltenem Applaus begrüßt. Aber die bei der Premiere erst nach anderthalb Stunden beginnende Diskussion geht schiedlich, friedlich über die Bühne. Zwei Themen, die vielen auf den Nägeln brennen: Distanzen und Finanzen. "Was passiert eigentlich mit dem Geld der einzelnen Kirchengemeinden?", will ein älterer Mann wissen, "geht das in den großen Topf und ist damit weg?"

Ein anderer verweist auf die großen Entfernungen innerhalb der zukünftigen XXL-Pfarreien und will wissen, wie die Balance da noch zu gewährleisten sei.

Beifall bekommt ein Mann mittleren Alters, der Stephan Ackermann fragt, warum Frauen immer noch nicht Priester werden dürften: "Ist das die katholische Kirche im 21. Jahrhundert?"

Die Frage liegt auf der Hand, wird doch die Notwendigkeit zu Reformen vor allem mit den weiter zurückgehenden Gläubigen- und Priesterzahlen begründet. Gab es im Jahr 2000 noch 588 aktive Priester, sind es inzwischen nur noch 294. In zehn Jahren werden es nur noch 194 sein.

Die Antwort des Bischofs überrascht nicht: "Das ist keine Frage, die auf Ebene des Bistums zu lösen ist." Das dürfte auch den meisten Anwesenden bewusst sein. Vermutlich hätte es vielen schon gereicht, wenn der Bischof zugesagt hätte, sich zumindest für ein Frauendiakonat einzusetzen.

Am Ende bekommt Stephan Ackermann freundlichen Applaus. Mit mehr wird der Bischof an diesem Tag auch nicht gerechnet haben.
So geht's jetzt weiter

Noch ist in Sachen Neuzuschnitt der Pfarreienlandschaft nichts endgültig in trockenen Tüchern. Die sogenannte Resonanzphase, in der die Gläubigen Änderungsvorschläge machen können, läuft noch bis in den Herbst. Erst im Oktober will Bischof Stephan Ackermann die dann in Teilen möglicherweise noch einmal veränderten neuen Strukturen festzurren. Zuvor hört sich der 54-Jährige bei acht Vorort-Veranstaltungen an, was die Gläubigen von den Großpfarreien halten.
In der Region Trier sind zwei Treffen angesetzt: in Prüm am Mittwoch, 24. Mai, um 19.30 Uhr in der Karolingerhalle, und in Trier am Samstag, 10. Juni, um 10 Uhr in der ehemaligen Abtei St. Maximin.
XXL-Pfarreien auch im Großherzogtum

Auch in Luxemburg hat die katholische Kirche in diesem Monat eine sogenannte Territorialreform umgesetzt. Aus den in 57 Pfarrverbänden zusammengefassten 274 kleinen Pfarreien wurden am ersten Mai-Sonntag 33 neue Großpfarreien. Mehr als drei Jahre war zuvor an der Reform "gebastelt" worden. Ein erster Entwurf wurde später modifiziert. In den neuen Pfarreien werden Pastoralteams eingsetzt, die aus Geistlichen, Diakonen und Laien bestehen. Lokalteams sollen sich um die organisatorischen Aufgaben kümmern. Als Hauptgrund für die Reform im Großherzogtum wird der Priestermangel genannt.

FOTO: Rolf Seydewitz
top