In München endete am Mittwoch nach fast 440 Verhandlungstagen einer der längsten und aufwendigsten Indizienprozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte. Das Oberlandesgericht verurteilte dabei Beate Zschäpe als vollwertiges NSU-Mitglied wegen zehnfachen Mordes zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe. Der Mitangeklagte Ralf Wohlleben wurde als NSU-Waffenbeschaffer zu zehn Jahren Haft verurteilt. Auch weitere Mitangeklagte erhielten Haftstrafen. Mehrere Verteidiger kündigten Revision an.

Der NSU war 2011 aufgeflogen. Zschäpe hatte fast 14 Jahre lang mit ihren Freunden Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund gelebt. In dieser Zeit ermordeten die beiden Männer neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine Polizistin. Zudem begingen sie zwei Sprengstoffanschläge mit vielen Verletzten und mehr als ein Dutzend Raubüberfälle. Über fünf Jahre war eine der zentralen Fragen im Prozess, ob Zschäpe als Mittäterin verurteilt werden kann, weil es keine Beweise gibt, dass sie an einem der Tatorte war.

Das Auffliegen hatte ein politisches Beben in Deutschland ausgelöst. Jahrelang hatten die Ermittler zuvor falsche Fährten verfolgt, den rechtsextremen Hintergrund der Taten verkannt, engste Familienangehörige als Verdächtige behandelt und drangsaliert. Menschenrechtsorganisationen forderten eine weitere Aufarbeitung des NSU-Umfelds und die Rolle der Sicherheitsbehörden. Barley sagte, Polizei und Justiz seien wachsamer geworden.

top