Griechenland

„Beschämende Zustände“ in Flüchtlingscamps

Ein syrischer Junge im November vor einem Zelt nahe Moria. FOTO: REUTERS / ALKIS KONSTANTINIDIS

Auf den griechischen Inseln leben Flüchtlinge in vollkommen überfüllten Lagern. Räumung angedroht.

Was Gesundheitsinspektoren jetzt im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Ägäisinsel Lesbos notierten, liest sich wie ein Report aus einem Land der Dritten Welt: „Unkontrollierbare Mengen von Abfall“ und „überquellende Müllcontainer“ fanden die Prüfer. Stinkende Fäkalien aus gebrochenen Toilettenrohren fließen durch das Camp, ergießen sich in einen Bach und auf die nahegelegene Landstraße. Mücken und Ungeziefer überall.

Seit Jahren prangert Christiana Kalogirou, Regionalpräfektin der nördlichen Ägäis, die katastrophalen Zustände in Moria an. Bewirkt haben die Proteste bei der Regierung in Athen wenig. Jetzt macht die Politikerin Druck: Das Lager sei „ungeeignet“ sowie „gefährlich für die öffentliche Gesundheit und die Umwelt“, stellt die Präfektin in einem Schreiben an Migrationsminister Dimitris Vitsas fest. Wenn die Mängel nicht innerhalb von 30 Tagen beseitigt sind, werde sie das Lager schließen lassen, so der Beschluss der Präfektin.

Moria ist einer von fünf so genannten Hotspots. In diesen Auffanglagern auf den Inseln Lesbos, Kos, Samos, Chios und Leros werden Flüchtlinge und Migranten, die in Schlauchbooten aus der Türkei über die Ägäis kommen, registriert. Sie müssen so lange in den Lagern bleiben, bis über ihre Asylanträge entschieden ist. Weil es aber an Personal fehlt, ziehen sich die Asylverfahren unendlich hin. Manche Antragsteller sitzen bereits seit zwei Jahren in den Hotspots fest. Zugleich steigt die Zahl der Neuankömmlinge stark: Von Januar bis Juni kamen 22.936 Flüchtlinge und Migranten aus der Türkei nach Griechenland. Das waren rund vier Mal so viele wie im ersten Halbjahr 2017.

(Reuters)
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