Parteien

Ein Parteitag mit viel Konfliktpotenzial

Die Zeiten waren für die SPD schon mal entspannter: Parteichef Martin Schulz und seine designierte Stellvertreterin, die rheinland-pfälzische Miniszterpräsidentin Malu Dreyer. FOTO: Bernd von Jutrczenka / picture alliance / Bernd von Jut

Berlin/Trier. Die SPD wählt einen neuen Vorstand und muss entscheiden, ob sie mit der Union über eine große Koalition redet. Das finden nicht alle Genossen gut.

Wenn sich von Donnerstag an die Sozialdemokraten zu ihrem dreitägigen Parteitag in Berlin treffen steht ein Ergebnis bereits fest: Parteichef Martin Schulz wird sein phänomenales Wahlergebnis aus dem März dieses Jahres kaum wiederholen können. Damals wurde  Schulz von einem außerordentlichen Bundesparteitag mit 100 Prozent der gültigen Stimmen zum SPD-Parteichef  und  Kanzlerkandidaten   gewählt. Aus dem seinerzeit von den Genossen frenetisch gefeierten Traumergebnis ist längst eine Last geworden. Nach dem miserablen Abschneiden bei der Bundestagswahl und den aktuellen Groko-Kapriolen sind die Umfragewerte weiter im Keller — wie auch die Stimmung unter den Parteimitgliedern.

Mit Spannung wird daher am Donnerstagnachmittag auf das Wahlergebnis von Martin Schulz geschaut werden. Alles über 90 Prozent Zustimmung für den 61-Jährigen dürfte von den Parteistrategen schon als Erfolg verbucht werden. Bleibt Schulz unter dieser Latte, dürfte wohl darauf verwiesen werden, dass einst auch seine Vorgänger  Sigmar Gabriel (2013: 83,6 Prozent), Franz Müntefering (2008: 84,8 Prozent) oder Gerhard Schröder (2003: 80,8 Prozent) nicht besser abgeschnitten haben.

Viel dürfte auch von der Rede abhängen, die Martin Schulz vor seiner Wahl hält.  Wird es dem SPD-Parteivorsitzenden, die Skeptiker und Zweifler in den eigenen Reihen von seiner Person und dem eingeschlagenen Kurs zu überzeugen?

„Der Bundesparteitag ist der Startpunkt für die Erneuerung der SPD“, ist das dreitägige Treffen der Genossen im CityCube auf dem Berliner Messegelände vollmundig überschrieben. Inwiefern dieses Versprechen eingelöst werden kann, ist allerdings offen. Denn nach der geplatzten Jamaika-Koalition ist die geplante SPD-Erneuerung   in der Opposition erst einmal ins Stocken geraten.

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