Spitzenforschung im Nachbarland: Luxemburg setzt verstärkt auf Wissenschaft

Tradition und Moderne: Rund um den alten Hochofen in Esch ist ein beeindruckender Universitätskomplex entstanden.FOTO: Brumat Photo/Foersom Sàrl

Luxemburg. Das Nachbarland setzt verstärkt auf Wissenschaft als Gegengewicht zur kriselnden Finanzbranche. Die Uni präsentiert eine spektakuläre Studie über die Selbstheilungskraft des Körpers.

Luxemburg ist im Wandel. Und das seit vielen Jahren. Bis in die 1970er Jahre war das Großherzogtum einer der wichtigsten Stahlproduzenten in Europa. Allein der Stahlkonzern Arbed beschäftigte damals fast 30.000 Menschen. Doch mit der Stahlkrise verloren die meisten ihre Jobs. Luxemburg setzte daher verstärkt auf die Finanzbranche.
Es gibt über 140 Banken mit einer Bilanzsumme von 750 Milliarden Euro, fast 4000 Investmentfonds, die ein Vermögen von gut 2,5 Billionen Euro verwalten. Zu Spitzenzeiten bot die Branche bis zu 27.000 Arbeitsplätze. Doch mit der Wirtschafts- und Finanzkrise bekam die schillernde Welt der Banker und Fondsmanager Risse, es gab massenweise Entlassungen, innerhalb eines Jahres fielen bis zu 500 Stellen bei Banken weg. Und ob Luxemburg vom Brexit profitiert, indem viele europäische Banken ihren Sitz von London ins Großherzogtum verlagern, ist noch völlig unklar.

Daher setzt das Nachbarland seit einiger Zeit darauf, zu einem bedeutenden Forschungsstandort zu werden. "Das Ziel der luxemburgischen Politik für Forschung und Innovation ist es, die Wettbewerbsfähigkeit und das Wirtschaftswachstum zu steigern, die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Forschung zu verbessern und die luxemburgische Teilnahme an internationalen Programmen und Forschungskooperationen zu stärken", sagt Didier Gooßens vom nationalen Forschungsfonds. Mit einem Jahresetat von 60 Millionen Euro unterstützt dieser Forschungsprojekte, darunter renommierte Unternehmen wie den Reifenhersteller Goodyear, der sein Forschungszentrum in Luxemburg hat. Die Regierung lege besonderen Wert auf die Zusammenarbeit zwischen öffentlicher und privater Forschung, sagt Gooßens. Im vergangenen Jahr sind rund 300 Millionen Euro staatliche Gelder in Forschung und Entwicklung in Luxemburg geflossen.

"Da das Land keine natürlichen Ressourcen mehr hat, setzt es vermehrt auf das Wissen, die Geisteskraft seiner Bürger", sagt Gooßens. Und dabei greift man im wahrsten Sinne auch schon mal zu den Sternen. So wurde kürzlich eine Firma gegründet, die Technologien entwickelt, um Leben im Weltall und Bergbau auf entfernten Planeten möglich zu machen. Der Staat setzt auf die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Mit 158 Millionen Euro wird die Uni unterstützt, die ihren neuen Campus auf einem ehemaligen Stahlhüttengelände in Esch im Süden des Landes hat. Insgesamt verfügt die Uni über einen Etat von 225 Millionen Euro, neben den öffentlichen Geldern stammt der Rest des Budgets aus Drittmitteln, die Forscher für ihre Projekte an Land ziehen. Damit verfügt die Luxemburger Uni über fast doppelt so viele Mittel wie die Uni Trier, obwohl sie nur halb so viele Studenten wie in Trier (rund 13.000) hat.

Ein Forschungsschwerpunkt der Uni Luxemburg ist Biomedizin. Immer wieder macht dieser mit spektakulären Erkenntnissen von sich reden. Etwa damit, dass das menschliche Gehirn ein körpereigenes Antibiotikum bildet, mit dem Bakterien bekämpft werden können. Heute wird eine Studie veröffentlicht, deren Ergebnisse unserer Zeitung vorliegen. Sie belegt, dass das menschliche Immunsystem seine Abwehrzellen aktiviert, um Eindringlinge wie Viren zu bekämpfen. "Diese Erkenntnis bietet Ansatzpunkte, um verbesserte Therapieansätze für Krebs oder Autoimmunerkrankungen zu entwickeln", sagt Forschungsleiter Dirk Brenner, der aus Wittlich stammt.

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