Musikpreis

Kritik am Echo immer schärfer

Klaus Voormann hat seinen Lebenswerk-Echo zurückgegeben. Foto: Jörg CarstensenFOTO: Jörg Carstensen

Berlin/München. Bislang war der Echo eine renommierte Auszeichnung in der Musikbranche. Doch nach der Würdigung für die umstrittenen Rapper Kollegah und Farid Bang nehmen Preisträger Abstand.

Klaus Voormann, Freund und Wegbegleiter der Beatles, gab am Montag den Echo für sein Lebenswerk zurück. „Was sich für mich als Geschenk anlässlich meines 80. Geburtstags anfühlte, entpuppt sich nun als große Enttäuschung“, teilte der Musiker und Grafiker am Montag in München mit.

Zuvor hatte bereits das Notos-Quartett aus Berlin erklärt, seinen Echo Klassik vom vergangenen Herbst zurückgeben zu wollen. Er sei für sie nun ein „Symbol der Schande“. Der Sänger Peter Maffay forderte die Verantwortlichen zum Rücktritt auf. Auch andere Musiker und Kulturschaffende machten ihrem Unmut Luft, was den Bundesverband Musikindustrie dazu veranlasste, das Konzept des Preises zu überarbeiten.

Grund für den Proteststurm ist das Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“, für das die beiden Rapper am Donnerstagabend mit einem Echo gewürdigt worden waren. Es wird als antisemitisch kritisiert wegen Textzeilen wie „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ und „Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow“. Der Echo orientiert sich unter anderem an den Verkaufszahlen.

„Was muss passieren, dass ein ECHO-Ethikrat Konsequenzen ergreift und eine Nominierung trotz Megaumsätzen eines Albums aus ethischen Gründen ablehnt?“, fragte Voormann deshalb. „Provokation ist erlaubt und manchmal sogar notwendig, um Denkanstöße zu geben“, sagte der Bassist. Aber die Grenze zu menschenverachtenden, frauenfeindlichen, rassistischen, antisemitischen und gewaltverherrlichenden Äußerungen und Taten dürfe nicht überschritten werden. Voormann wird am 29. April 80 Jahre alt wird und hat unter anderem das Cover des berühmten „Revolver“-Albums der Beatles gestaltet.

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