Chormusical

1200 Sänger für Martin Luther King

In Essen feierte das Chormusical „Martin Luther King“ Premiere.

Ein lauter Knall tönt durch die Halle. Die Scheinwerfer werden einen Moment lang dunkel. Gleich in der ersten Szene geschieht der Mord: Martin Luther King, der amerikanische Baptistenpastor, Bürgerrechtler und Träger des Friedensnobelpreises, stirbt auf einem Hotelbalkon in Memphis. Und die Menschen, die bislang mit ihm zu tun hatten, überlegen, wie es ohne ihn weitergehen soll. Sie lassen sein Leben Revue passieren.

Das ist die Handlung des Chormusicals „Martin Luther King“, das nun in der Essener Grugahalle Premiere hatte. Entstanden ist es auf Initiative der Stiftung Creative Kirche, der Evangelischen Kirche im Rheinland, des katholischen Bistums Essen und des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, also eines Großteils der deutschen Baptistengemeinden. Die Besonderheit des Stückes ist freilich nicht seine künstlerische oder inhaltliche Qualität. Oft sind es eher einfach gestrickte Texte, dazu erklingen Gospels und Spirituals, Motown und Rock ’n’ Roll. Manchmal beteiligt sich das Musical selbst an der Zementierung von Klischees, etwa wenn in einer Szene, die Martin Luther Kings Reise nach Ost-Berlin darstellt, die Grenzpolizisten selbstverständlich sächsisch sprechen. 

Die eigentliche Besonderheit dieses Projektes aber sind seine Mitwirkenden: 1200 Sängerinnen und Sänger aus Kirchen- und anderen Chören haben sich für das Chormusical versammelt. „Der Chor steht im Mittelpunkt“, sagt Ralf Rathmann, Geschäftsführer der Stiftung Creative Kirche. „Jeder kann mitsingen.“ Mit derartigen Projekten hat die Stiftung Erfahrung: Von 2010 bis 2012 produzierte man das Pop-Oratorium „Die 10 Gebote“, im Reformationsjahr 2017 ein Pop-Oratorium zu Martin Luther. Nun also Martin Luther King, eine „Ikone der Humanität“, wie es der Librettist Andreas Malessa formulierte. „Martin Luther King war jemand, der uns das zähe und hartnäckige Hoffen gelehrt hat.“

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