Mario Adorf

Mario Adorf, bescheidener Charmeur

 Schauspieler Mario Adorf. FOTO: dpa, ua rho

Bei der Berlinale feierte eine Dokumentation über den 88-Jährigen Premiere.

Die schönste Szene spielt in Florenz. Da steht Mario Adorf mit großen Augen vor einer Skulptur von Michelangelo, und er erzählt mit dieser warmen Mario-Adorf-Stimme, wie faszinierend er es findet, dass das Kunstwerk vorne so vollkommen und glatt und hinten so roh ist. „Man kann sehen, wo Michelangelo den Hammer angesetzt hat“, schwärmt Adorf. Die Figur sei gleichsam im Marmor verborgen gewesen, Michelangelo habe sie eigentlich bloß befreit. Wenn man etwas zu sagen hätte, würde man Adorf sofort eine Kunsterklärer-Sendung im Fernsehen geben.

„Es hätte schlimmer kommen können“ heißt die lakonisch betitelte Dokumentation über die Karriere eines der größten Entertainers, den wir haben. Die Produktion wurde soeben auf der Berlinale vorgestellt. Adorf erzählt selbst, Regisseur Dominik Wesseley reist mit ihm an die Schauplätze seines Lebens: Mayen in der Eifel, wo Adorf ohne Vater aufwuchs und zu Kriegszeiten im Bunker gebeten wurde: „Sing doch mal ‚Heimat deine Sterne’ für uns!“ Dann Rom, wo er 30 Jahre lebte und direkt der Besitzer seiner früheren Stammkneipe kommt und ruft: „Mario, grande Mario!“. Rom sei die schönste Zeit gewesen, sagt Adorf und lächelt: Jeden Abend drei Parties, im Morgengrauen im Meer baden, tagsüber drehen, dann ins Kino und danach essen gehen.

Wunderbar ist auch die Stelle, an der er mit Senta Berger spricht. Die beiden arbeiteten ja einst gemeinsam in Hollywood, und Adorf kümmerte sich ein bisschen um die viel umschwärmte Berger. Einmal habe Charlton Heston sie aus heiterem Himmel gepackt und geküsst. Berger wehrte den Verehrer ab und fragte empört: Wir drehen schon so viele Tage zusammen, warum jetzt? Darauf Heston: „Weil morgen meine Frau kommt.“

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