Einzelstücke statt Massenmode

Digitaltechnik schneidert Kleidung nach Maß

Die auf der ISPO vorgestellte digitale Musteranlage namens „Micro Factory“ produziert Individualanfertigungen und Kleinserien. Foto: Tobias Hase/dpa FOTO: Tobias Hase

München. In der Bekleidungsbranche ist die Massenware nicht mehr unangefochten: Dank Digitalisierung und veränderten Kundenbedürfnissen könnten sowohl die individuelle Anfertigung als auch die Textilproduktion in Europa in den kommenden Jahren eine zumindest teilweise Renaissance erleben.

Das hätte nicht nur für die Kunden Vorteile, sondern auch für die Bilanzen der Hersteller - und die Umwelt, sagen Fachleute. „Es könnte wesentlich weniger Ausschussware produziert werden“, sagt Christian Kaiser, Professor für Textiltechnologie an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen.

„Die Umweltbelastung würde stark reduziert.“ Denn Textilfabriken verbrauchen viel Wasser, auch Färben und Imprägnieren belastet die Umwelt. Kaisers Hochschule kooperiert eng mit den Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung Denkendorf (DITF), einer führenden Denkfabrik für die deutsche Bekleidungsbranche.

Digitale Fertigungsmethoden erlauben eine rasante Beschleunigung der Produktionszyklen. Technisch wäre es heute schon machbar, den Kunden im Geschäft per Bodyscanner die Maße abzunehmen und die Daten an die Fabrik zu übermitteln. Jacke, Kleid oder Hose könnten dann innerhalb kürzester Zeit in den Wunschfarben produziert werden. Auf der Münchner Sportmesse Ispo präsentierten die Hochschule, DITF und Kooperationspartner aus der Industrie eine digitale Musteranlage namens „Micro Factory“.

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