Ablenkbar und ungeduldig

Was die Krankheit ADHS im Erwachsenenalter bedeutet

Stefan Ziegler hat ADHS. Diagnostiziert wurde die Erkrankung bei ihm erst im Alter von 24 Jahren. Foto: Jörg KochFOTO: Jörg Koch

München. Eigentlich geht es Stefan Ziegler gut. Er lebt in einem angesagten Viertel in München, hat einen guten Job und wird bald Vater. Von außen betrachtet führt Ziegler ein Leben, das sich kaum von dem anderer Mittdreißiger unterscheidet. Und doch ist er in manchen Dingen anders als andere.

Der 36-jährige Münchner hat ADHS, die sogenannte Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Das war schon als Kind so. „Aber erst, als ich 24 Jahre alt war, ist die Diagnose gestellt worden.“

So wie ihm ergeht es vielen: Sie sind bei der Arbeit schnell ablenkbar, können sich schlecht selbst organisieren und sie sind ungeduldig und emotional instabil. Aber dass sich hinter solchen und anderen Symptomen ADHS verbirgt, wird oft verkannt. „Selbst in Fachkreisen wird die komplexe psychiatrische Erkrankung nicht hinreichend wahrgenommen“, sagt Diplompsychologe Johannes Streif vom Verein ADHS Deutschland - Selbsthilfe für Menschen mit ADHS.

Etwa fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren sind von ADHS betroffen. Ein Teil von ihnen - laut Schätzungen sind es mindestens 60 Prozent - zeigt ADHS-Symptome auch noch im Erwachsenenalter.

ADHS zeigt sich auf vielfältige Weise. Betroffene sind unruhig, zappelig und sprunghaft im Verhalten. Sie verlieren sich in Tagträumerei und sind kritikempfindlich. „Wenn es sie juckt oder sie unbequem sitzen, dann bewegen sie sich unwillkürlich, ganz gleich, ob das andere stört wie beispielsweise im Konzert oder Theater“, sagt Streif. Hinzu kommt, dass sie im Gespräch oft ohne großes Nachdenken mit einer Bemerkung herausplatzen, die vielleicht gegenüber Freunden angemessen wäre, nicht aber unbedingt gegenüber dem Chef.

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