Linkshändertag am 13. August

Aus dem Alltag einer Linkshänderin

Sonja Berger* macht alles mit links. Sie putzt sich die Zähne links, steuert die Computermaus mit der linken Hand, isst mit links. Bei Familienfesten wurde sie früher von ihrer Mutter so am Rand der Festtafel platziert, dass beim Essen ihr Ellbogen nicht mit dem ihres rechtshändigen Tischnachbarn angestoßen ist.

Es gibt nur eine Ausnahme: Die 46-Jährige schreibt mit der rechten Hand und erinnert sich an die Erzieherin im Kindergarten, die ihr damals den Stift resolut in die rechte Hand gedrückt und darauf geachtet hat, dass er dort bleibt.

Später in der Schule hat sie einfach so weitergemacht. Erst als Erwachsene wird Sonja Berger bewusst, dass ihr Leben zweigeteilt ist. Zufällig bemerkt sie, dass sie mit der linken Hand hervorragend spiegelverkehrt schreiben kann. Ganz leicht fällt ihr das, und sie staunt, was ihr Gehirn ohne Training leistet. Sie ärgert sich über ihre unfreiwillige Umschulung und fühlt sich als Opfer einer Erzieherin, die ihre traditionelle Weltsicht noch zu einer Zeit umsetzen konnte, als schon ein Umdenken begonnen hatte. In den 1970er Jahren war das Umschulen in den rheinland-pfälzischen Schulen kein Thema mehr, gibt Sabine Schmidt, Pressesprecherin des Mainzer Bildungsministeriums, an. Aber in der ersten Klasse war Sonja Berger schon eine „Rechsthänderin“.

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